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Görlitzer Bischof Zdarsa wird Mixa-Nachfolger

Bischof Konrad ZdarsaGroßansicht
Augsburg/Rom (dpa) - In einer ungewöhnlich raschen Entscheidung hat Papst Benedikt XVI. den Nachfolger des zurückgetretenen Augsburger Bischofs Walter Mixa bestimmt.

Nur zwei Monate nach Mixas Rücktritt ernannte der Papst am Donnerstag den Görlitzer Bischof Konrad Zdarsa (66) zum neuen Oberhirten in Augsburg. Zdarsa wird am 23. Oktober im Augsburger Dom in sein neues Amt eingeführt. In Kirchenkreisen wurde die Personalie mit großer Erleichterung aufgenommen.

Normalerweise dauert die Neubesetzung deutscher Bischofsstühle rund ein Jahr. Das schnelle Handeln des Vatikans dürfte auch mit der Hoffnung zusammenhängen, die katholische Kirche in Deutschland nach ihren Missbrauchsaffären und nach dem Wirbel um Mixa wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Mixa hatte nach Vorwürfen, er habe in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Heimkinder geschlagen und Stiftungsgelder zweckwidrig eingesetzt, am 21. April dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Der Heilige Vater hatte diesen am 8. Mai angenommen.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, zeigte sich hocherfreut und gratulierte seinem Amtsbruder Zdarsa. In einem Brief an den 66-Jährigen schrieb Zollitsch, der künftige Augsburger Oberhirte werde ein Seelsorger sein, «zu dem die Gläubigen Vertrauen haben». Zdarsa werde «dem Bistum eine hoffnungsvolle Perspektive für die Zukunft geben».

Die Berufung von Zdarsa wurde am Donnerstagmittag in Rom sowie in Görlitz und Augsburg bekanntgegeben. In Augsburg läuteten dazu die Glocken des Doms und anderer katholischer Kirchen. Der Augsburger Weihbischof Josef Grünwald, der als Diözesanadministrator die Amtsgeschäfte seit Mixas Rücktritt leitet, dankte dem Papst «für die ungewöhnlich rasche Wiederbesetzung» des Augsburger Bischofsstuhls. Das Bistum freue sich auf den neuen Oberhirten und wolle ihm volle Loyalität entgegenbringen. «Wir wollen ihn mit offenem Herzen aufnehmen.» Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte: «Ich freue mich für die Gläubigen des Bistums Augsburg, dass sie so schnell einen neuen Hirten bekommen.»

Weihbischof Grünwald und das Domkapitel wollen bereits an diesem Sonntag nach Görlitz fahren, um den neuen Oberhirten besser kennenzulernen. Der 69 Jahre alte Mixa werde unterdessen das Bischofshaus in Augsburg bis Ende Juli verlassen, kündigte Grünwald an. Mixa wird sich vermutlich einen neuen Wohnsitz außerhalb des Bistums Augsburg nehmen - dafür gebe es zwei Optionen, sagte Grünwald.

Zdarsa wurde 2007 Bischof im Bistum Görlitz, dem mit rund 30 000 Katholiken kleinsten Bistum in Deutschland. Bis dahin war der gebürtige Sachse Generalvikar und Domkapitular des Bistums Dresden-Meißen. Zdarsa sei auch für die Nachfolge Mixas als Militärbischof im Gespräch, berichtete die Tageszeitung «Augsburger Allgemeine» (Donnerstag).

Der Vorsitzende der bayerischen Bischöfe, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, betonte, die Gläubigen und Priester im Bistum Augsburg warteten «auf einen Bischof, der Mut macht zum Glauben und zum Leben in der Gemeinschaft des Volkes Gottes». Marx fügte hinzu: «Ohne Zweifel ist diese Aufgabe besonders nach den Vorkommnissen und Diskussionen der letzten Monate eine große Herausforderung.» Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrats, Helmut Mangold, sagte, der neue Oberhirte stehe vor der schweren Aufgabe, Wunden zu heilen und das Bistum nach den Wirren um Mixa wieder zu einen.

Kirchen
08.07.2010 · 15:00 Uhr
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