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Gnadenlose Rocker: Waffenlager gefunden

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Köln (dpa) - «Expect no mercy» - erwartet keine Gnade. Dieser Schriftzug prangt neben dem Bild des getöteten Rockers «Eschli» auf der Homepage der Bochumer «Bandidos». Am 8. Oktober wurde der 32-Jährige vor dem Duisburger «Bandidos»-Hauptsitz erschossen.

Der Täter soll aus dem Dunstkreis der «Hells Angels» stammen. Seitdem herrscht Krieg zwischen den beiden Rockergruppen in Nordrhein-Westfalen. Bei einer Razzia kontrollierte die Polizei am Wochenende Clubhäuser beider Gruppen und hob dabei Waffenlager aus.

Deutlich mehr als 100 «Höllenengel» und «Banditen» mussten sich zwischen Aachen und dem Münsterland kontrollieren lassen. Konfisziert wurden etwa Schlagknüppel und Messer. In Köln wurde ein Lager mit Revolvern, Automatik-Pistolen, einer Pumpgun, Stahlschleudern und Munition entdeckt. Drei Rocker wurden vorübergehend festgenommen. Auch im Duisburger Rotlichtmilieu kam es zu einer Festnahme.

In anderen Bundesländern wurde die Polizei ebenfalls fündig: «Man hätte jederzeit in den Krieg ziehen können», beschrieb ein Polizist am Dienstag in Flensburg ein ausgehobenes Waffenarsenal. Die «Hells Angels» lagerten in einer Auto-Werkstatt Maschinenpistolen, Pumpguns und sprengstoffähnliche Substanzen.

Am 14. November steht der 10. Geburtstag der «Bandidos» in Deutschland im Kalender. «Wir wollen verhindern, dass es dort zu Ausschreitungen kommt», sagte ein Sprecher der Polizei Münster. Einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus», wonach der Polizeischutz von bundesweit mehr als 80 Rockerclubs seit dem Mord in Duisburg bisher mehr als eine Million Euro gekostet habe, wollte die Polizei in Münster nicht bestätigen.

Auch als sich vor einer Woche die Gruppen mit Baseballschlägern schlugen, musste die Polizei eingreifen. Rund 100 Beamte waren im Einsatz, um die Gemüter abzukühlen. «Wir werden uns nicht von wild gewordenen "Bandidos" oder "Hells Angels" auf der Nase herumtanzen lassen», schimpfte Polizeidirektor Hans Volkmann, der den Gesamteinsatz von Münster aus leitet.

Hinter dem Rockerkrieg könnten handfeste wirtschaftliche Interessen im Rotlichtmilieu stehen. «Wir vermuten, dass es um Gebietsansprüche und Marktanteile geht», sagte Thomas Jungbluth, Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf, dem Radiosender WDR 5. Die Art der Brutalität sei ein deutliches Indiz dafür.

Die Geschichte von Auseinandersetzungen zwischen «Hells Angels» und «Bandidos» ist nicht neu. In den 90er Jahren bekämpften sich die Banden in Skandinavien mit Raketenwerfern, Handgranaten und Maschinenpistolen. Damals kamen 14 Menschen ums Leben. In Berlin wurde erst Mitte August dieses Jahres ein 33-Jähriger aus dem Rockermilieu auf offener Straße erschossen.

Kriminalität
08.11.2009 · 20:55 Uhr
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