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Gläubige scheuen Weihwasser - Mekka-Reisen riskant

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Köln (dpa) - Die Schweinegrippe verunsichert immer mehr auch die Glaubensgemeinschaften. Das saudi-arabische Gesundheitsministerium empfiehlt Muslimen nach einer Untersuchung, als Risikopatient derzeit Mekka zu meiden und eine Pilgerfahrt zu verschieben.

In Jordanien werden 500 Pilger, die nicht auf die Reise verzichten wollen, an diesem Montag geimpft. Die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn hatte zuvor erstmals Empfehlungen für den Infektionsschutz in Gottesdiensten veröffentlicht. Wer an der Grippe erkrankt ist oder bei wem der Verdacht auf Erkrankung besteht, solle auf die Teilnahme an Gottesdiensten verzichten, heißt es darin. Zudem wird von der Mundkommunion abgeraten. Auch «eine Zurückhaltung bei der Nutzung des Weihwasserbeckens in den Kirchen» sei geboten.

Die Studie des saudi-arabischen Gesundheitsministeriums wurde am Samstag im britischen Fachjournal «The Lancet» veröffentlicht - wenige Tage vor dem jährlichen Höhepunkt der traditionellen Wallfahrt («Hadsch»). Ende November pilgern normalerweise zwischen zwei und drei Millionen Menschen zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina. «Massenaufläufe fordern die öffentliche Gesundheitsvorsorge besonders heraus, weil sie die Ausbreitung der Krankheit auf ein Maximum treiben können», heißt es in der Studie. Bereits im Oktober hatten Ministerien vieler arabischer Länder dazu aufgerufen, Wallfahrten zu den heiligen Stätten in Saudi-Arabien lieber zu verschieben.

Der jordanische Gesundheitsminister Nayef al-Fayez sagte am Sonntag in Amman, die Impfungen gegen die Schweinegrippe sollten in seinem Land an diesem Dienstag beginnen. 500 Mekka-Pilger würden aber bereits einen Tag früher ihre Impfdosis erhalten, bevor sie nach Saudi-Arabien abreisen.

In Deutschland sind immer mehr Christen verunsichert: Abendmahl, Weihwasser, Mundkommunion, Friedensgruß - wie gefährlich sind diese Riten in Zeiten der Schweinegrippe? Jens Peter Iven, Pressesprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, verzeichnet eine steigende Zahl von Anfragen: «Meistens ging es um die Vorkehrungen beim gemeinsamen Abendmahl.» In den meisten Gemeinden einigte man sich schon recht bald auf das Abendmahl «Intinctio»: Dabei wird nicht mehr wie üblich aus einem gemeinsamen Kelch getrunken, sondern die Abendmahlsoblate wird nur in den Kelch eingetaucht.

Auch die katholische Kirche passte sich dem Infektionsrisiko an: «Es ist nicht zwingend notwendig, sich beim Friedensgruß die Hand zu reichen, ein freundliches Nicken kann ebenfalls ein Zeichen des Friedens sein», sagte Pressereferentin Patricia Jungnickel vom Erzbistum Köln. Eine bistumsübergreifende Regelung gibt es nicht. Der Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Thomas Broch, sagte: «Wir raten unseren Pfarreien zur Vorsicht.» Kommunionhelfer und Priester sollten sich vor der Eucharistiefeier gründlich die Hände waschen. Ein Desinfektionsmittel zu benutzen sei «empfehlenswert».

In Polen und im Kosovo starben am Wochenende erstmals Menschen an der Schweinegrippe. In einem Danziger Krankenhaus erlag am Samstag ein 37-jähriger Mann der Krankheit, wie der Bezirksarzt Jerzy Karpinski mitteilte. Im Kosovo starb ein 31-Jähriger, berichtete das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Pristina. In Jordanien starb nach Angaben des Gesundheitsministers am Sonntag eine 20 Jahre alte schwangere Frau. Mit ihr sind jetzt elf Menschen in dem nahöstlichen Land der Krankheit erlegen. Schwangere sollten nun als Risikopatienten eingestuft werden, die bevorzugt geimpft werden.

Gesundheit / Grippe
15.11.2009 · 17:29 Uhr
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