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Gipfel-Finale: Drama, Mauscheln, Warten, Zittern

Brasiliens Präsident Lula und Bundeskanzlerin Merkel in Kopenhagen.Großansicht
Kopenhagen (dpa) - Drama, totale Unsicherheit und ein heilloses Durcheinander bei der Klima-Versammlung mit so gut wie allen Spitzen-Politikern aus aller Welt.

Noch am Freitagabend wusste niemand im Kopenhagener Bella Center, ob US-Präsident Barack Obama, Chinas Regierungschef Wen Jiabao, Kanzlerin Angela Merkel und allerlei andere bei ihrer endlosen Kette von Sondierungen und hastig improvisierten «Mini-Gipfeln» noch irgendwie eine akzeptable Übereinkunft zum Klimaschutz zustande bekommen würden.

Es handele sich um eines der erfolglosesten Treffen auf höchster Ebene überhaupt, schimpfte Arkardi Dworkowitsch - Berater des vorzeitig abgereisten russischen Präsidenten Dmitri Medwedew - über das Kopenhagener Klima-Chaos. So sahen es auch die endlos wartenden Regierungsdelegationen und zigtausende Teilnehmer aus 192 Ländern: Am Abend galt ein Scheitern ebenso möglich wie eine Vereinbarung - allerdings wohl nur auf kleinem gemeinsamen Nenner.

«Ich bin nicht hierhergekommen, um nur eine Rede zu halten», hatte Obama bei seiner Ankunft am Vormittag gesagt. Und musste von der ersten Minute an erleben, dass seine Kollegen aus aller Welt hier tatsächlich ganz anderes von ihm erwarteten als einfach eine weitere schwer beeindruckende Obama-Rede: Postwendend nach der Ankunft im eingeschneiten Bella Center wurde der Präsident von Kollegen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zum «Mauscheln» für einen Kompromiss in einen Seitenraum gebeten.

Während sich diese Beratungen immer länger hinzogen, warteten die wichtigsten Gesprächspartner im Plenarsaal fast zwei Stunden untätig und irgendwie zunehmend auch unwillig, darunter auch Chinas Regierungschef Wen Jiabao. Gleichzeitig schwirrten durch die Gänge wenig positive Wasserstandsmeldungen über die seit Donnerstagabend praktisch ununterbrochenen Sondierungen hinter den Kulissen. «Überhaupt keine Bewegung», «Chancen für Einigung unter 50 Prozent» lauteten die Kurzmitteilungen von Insidern übereinstimmend.

Als die immer machtvoller und selbstbewusster auftretenden Spitzenleute aus China, Brasilien und Indien kurzfristig den Plenarsaal verließen, gab es bange Gesichter: Sollte das vielleicht das Aus bedeuten? Erleichterung dann, weil die drei ganz im Gegenteil zu den internen Beratungen gerufen wurden.

Aber auch diese brachten offenbar wenig Fortschritte, wie die anschließenden Reden vor dem Plenum zeigten: Weder Obama noch Wen bewegten sich auch nur Millimeter von ihren bisher konträren Positionen. Peking will sich bei der Verminderung von CO2-Emissionen nicht durch ausländische Kontrolleure durchleuchten lassen. Obama seinerseits bestand auf «Transparenz». Beide lasen vorformulierte Statements ab, die offenbar nichts mit den Beratungen der letzten Stunden zu tun hatten.

Allein Brasiliens Präsident Lula brachte wirklich Leben in den Klimagipfel: Das Gefeilsche um Prozente bei Emissionsverminderungen und Klimahilfen für die Armen erinnere ihn an Verhandlungen mit Wirtschaftsbossen aus seiner Zeit als Gewerkschaftsführer, sagte er.

Keiner der Großen aber zog frontal gegen Kontrahenten vom Leder. Das wurde allgemein als grünes Licht für neue vertrauliche Gespräche hinter den Kulissen verstanden und begrüßt. Dazu passten erste Meldungen über eine mögliche Verlängerung des Gipfels.

Dass noch ein wirklich weitgehendes Klimaabkommen in aller Eile zusammengezimmert werden könnte, glaubte allerdings niemand mehr in Kopenhagen. Wie hatte doch der nach eigenen Worten «ein bisschen frustrierte» Lula erklärt: «Wir haben vorher viel zu viel Zeit verschenkt.» Mancher dachte im Stillen, dass alle am Ende nach einem sicheren Notausgang aus dem Bella Center suchen.

UN / Klima / Gipfel
18.12.2009 · 21:24 Uhr
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