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Gingrich gewinnt sensationell US-Vorwahl

Newt Gingrich feiert seinen Sieg in South Carolina. Foto: Erik S. LesserGroßansicht

Washington (dpa) - Nach einem Überraschungssieg von Newt Gingrich bei der US-Vorwahl in South Carolina ist das Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur wieder völlig offen.

Der einstige Parlamentspräsident gewann bei der Abstimmung am Samstag unerwartet deutlich gegen den bisherigen Favoriten Mitt Romney. Der Ex-Gouverneur von Massachusetts muss nun unbedingt die nächste Vorwahl am 31. Januar in Florida gewinnen, wenn er seinen Wahlkampf in Schwung halten will.

Gingrich kam nach Auszählung von 99,4 Prozent aller Stimmen auf 40,4 Prozent, während Romney 27,8 Prozent erzielte. Als Dritter mit 17 Prozent ging Ex-Senator Rick Santorum aus Pennsylvania ins Ziel. Der Kongressabgeordnete Ron Paul erhielt 13 Prozent.

Gingrich krönte mit seinem Erfolg eine erstaunliche Aufholjagd. Noch vor wenigen Tagen hatten Meinungsforscher ihn abgeschlagen auf dem zweiten Platz gesehen. Experten hatten daher die Vorwahl in dem Südstaat bereits als Vorentscheidung für das gesamte Rennen um die Nominierung des Herausforderers von Präsident Barack Obama gesehen.

In US-Medien wurde die verblüffende Wende vor allem der Leistung Gingrichs bei den beiden jüngsten Fernsehdebatten im besonders konservativen South Carolina zugeschrieben. Dabei trat der 68-Jährige hart und aggressiv auf und punktete vor allem mit Angriffen gegen «liberale Medien», die versuchten, Obama in die Hände zu spielen.

Hintergrund war ein Interview des Senders ABC mit einer Ex-Frau von Gingrich. Sie hatte berichtet, der konservative Politiker habe ihr eine «offene Ehe» vorgeschlagen.

Der Multimillionär Romney war dagegen in den beiden Debatten über Forderungen nach Veröffentlichung seiner Einkommensverhältnisse ins Stolpern geraten. Das könnte ihm nach Experteneinschätzung entscheidend geschadet haben.

Am Sonntag räumte Romney ein, dass er einen Fehler gemacht habe. In einer Sendung von Fox News gab er bekannt, dass er seine Steuererklärungen für 2011 und 2010 am kommenden Dienstag im Internet publik machen werde. Er kündigte außerdem einen entschlossenen Kampf um jede Stimme bei den kommenden Vorwahlen an.

Seine Niederlage hatte Romney schon kurz nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend eingeräumt. «Wir müssen noch einen weiten Weg gehen», sagte der Wirtschaftsfachmann aus Boston. Erneut präsentierte sich Romney als Verfechter der «Ideale freien Unternehmertums und freier Wirtschaft». Zu Angriffen seiner Kontrahenten im Zusammenhang mit seinen Einkommensverhältnissen erklärte der 64-Jährige: «Wer heute die Waffen der Linken ergreift, wird sehen, wie sie morgen gegen uns gerichtet werden.»

Gingrich dankte in seiner Siegesansprache «jedem, der entschieden hat, mit uns gemeinsam Washington zu verändern». Mit Blick auf Romney fuhr er fort: «Wir haben nicht die Art von Geld, die zumindest einer der Kandidaten hat. Aber wir haben Ideen, und wir haben Leute, und wir haben hier in South Carolina bewiesen, dass Leute mit den richtigen Ideen mächtiger sind als das große Geld.» Über den Kurznachrichtendienst Twitter bat er um Hilfe, um bei der nächsten Vorwahl in Florida einen «K.O.-Schlag» gegen die Kontrahenten zu landen.

Der Abstimmung in South Carolina war eine turbulente Woche vorausgegangen. Romney hatte die Serie der Vorwahlen als klarer Favorit angetreten und beim Aufakt am 3. Januar in Iowa auch zunächst als Gewinner gegolten. Dann wurde ihm der - äußerst knappe - Sieg aber aberkannt und Santorum zugesprochen. Zudem hatten der texanische Gouverneur Rick Perry und der ehemalige US-Botschafter in China, Jon Huntsman, aufgegeben und das Feld damit durcheinandergewirbelt.

Bei der zweiten Vorwahl in New Hampshire eine Woche nach Iowa gewann Romney dann haushoch. Experten sagten, es sei das erste Mal, dass drei verschiedene Bewerber bei den ersten drei Vorwahlen gewonnen hätten.

South Carolina schickt 25 Delegierte zum Nominierungsparteitag der Partei im August. Dort sind insgesamt 1144 Stimmen für eine Nominierung zum Gegenkandidaten von Präsident Barack Obama erforderlich. In Florida könnte es Gingrich schwerer haben, weil Romney dort über eine weitaus größere Wahlkampfmaschine und das nötige Geld für eine groß angelegte Werbespot-Kampagne verfügt. Auch ist die Bevölkerung des Staates breiter gefächert: Davon könnte der von Sozialkonservativen als zu liberal kritisierte Romney ebenfalls profitieren.

Obama bereitete unterdessen seinen Bericht zur Lage der Nation vor, den er am Dienstagabend Ortszeit (Mittwoch 0300 Uhr MEZ) im Kongress geben wird. In einem am Samstag veröffentlichten Video kündigte er an, dass er die Wirtschaft und in diesem Rahmen Chancengleichheit für alle in den Vordergrund seiner Rede stellen werde. «Wir können in zwei Richtungen gehen», sagt Obama in der Aufzeichnung. «Eine ist hin zu weniger Chancen und weniger Fairness. Oder wir können für das kämpfen, was wir nach meiner Meinung anstreben müssen: eine Wirtschaft aufzubauen, die für jeden gut ist, nicht nur für die wenigen Reichen.»

Wahlen / USA
22.01.2012 · 21:47 Uhr
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