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Gigantischer «Blackout» legte Brasilien lahm

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São Paulo (dpa) - «Brasilien im Dunkeln» - so titelten die Zeitungen nach dem gigantischen Stromausfall, der weite Teile des Landes ins Chaos stürzte. Aufzüge blieben stecken, U-Bahnen fuhren nicht mehr, Telefonsysteme und Ampeln fielen aus, es kam zu zahlreichen Unfällen.

Schätzungsweise 40 Millionen Brasilianer waren von dem stundenlangen «Blackout» betroffen, der am Dienstag um 22.13 Uhr die Lichter in 18 brasilianischen Bundesstaaten sowie im benachbarten Paraguay ausgehen ließ.

Allein im Großraum São Paulo musste die Feuerwehr mehr als 60 Menschen aus Aufzügen befreien, die nach dem «Blecaute» (Blackout) stecken geblieben waren. Bilder zeigen schockierte und weinende Menschen, die oft erst nach Stunden erleichtert aus den engen Fahrstühlen befreit wurden. In Rio de Janeiro und der 20-Millionen- Metropole São Paulo waren Restaurants und Bars zu dieser Stunde noch gut besucht. Die Kreditkarten-Maschinen funktionierten nicht mehr. Viele Kunden verließen die Lokale zum Unmut der Gastwirte mit dem Versprechen, die Rechnung später zu begleichen.

Die Regierung beriet in einer Krisensitzung in Brasília über Ursachen und Auswirkungen des größten Stromausfalls seit Jahren. Vermutlich unterbrach ein heftiges Unwetter drei Stromleitungen in den Bundesstaaten Paraná und São Paulo. Diese leiteten den Strom aus dem leistungsstärksten Wasserkraftwerk der Welt, Itaipu, ins Landesinnere. 18 Turbinen der Anlage wurde nach dem Störfall komplett abgeschaltet und erst in der Nacht wieder hochgefahren. «Es war kein Problem der Stromerzeugung, sondern der Weiterleitung», sagte Itaipu- Generaldirektor Jorge Samek.

Insgesamt waren etwa 800 Städte vor allem im Süden, Zentrum und Nordwesten Brasiliens von dem Blackout betroffen. In São Paulo arbeiteten Krankenhäuser, Polizeistationen und Flughäfen mit Notstromaggregaten. Die Menschen nutzten ihre Mobiltelefone, die Netze waren aber überlastet. Das Festnetz-System fiel in den betroffenen Regionen großenteils aus. Die Polizei stellte das Funktionieren der Notrufnummer «190» nur per Dieselaggregat sicher.

Die sonst hell erleuchtete Stadt São Paulo wurde von dem Stromausfall nahzu lahm gelegt. Zehntausende Menschen, die mit der U- Bahn nach Hause wollten, mussten in pechschwarzer Nacht zu den Bushaltestellen laufen. Viele hielten sich vor den Eingängen der wenigen noch beleuchteten Gebäude auf, die über ein Notstromsystem verfügten. Vereinzelt meldete die in erhöhte Alarmbereitschaft versetzte Polizei Überfälle.

Das Kraftwerk Itaipu, an dem auch Paraguay beteiligt ist, liegt an der brasilianisch-paraguaynischen Grenze und deckt 20 Prozent der Stromversorgung in Brasilien und rund 90 Prozent in Paraguay. Auch das Nachbarland war betroffen. Allerdings ging in Paraguay nur für etwa 20 Minuten das Licht aus. Am Mittwoch meldeten die Behörden eine weitgehende Normalisierung der Lage.

Notfälle / Brasilien
11.11.2009 · 16:50 Uhr
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