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Giftiger Qualm in Moskau stärker

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Moskau (dpa) - Der giftige Qualm in Moskau wird immer dichter, und die Waldbrände in Russland breiten sich trotz internationaler Hilfe weiter aus. Allein in den vergangenen 24 Stunden brachen nach Angaben des Zivilschutzministeriums mehr als 300 neue Brände aus.

Die meisten seien rasch gelöscht worden, teilte die Behörde am Samstag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Dennoch loderten landesweit weiterhin etwa 840 Wald- und Torfbrände. In der Hauptstadt sank die Sichtweite wegen des Rauchs der Torfbrände in der Umgebung stellenweise auf unter 50 Meter. Die Schadstoffbelastung der Luft stieg auf weit mehr als das Sechsfache des normalen Wertes. Die Feuer sollten nun rund um die Uhr bekämpft werden, sagte Vize-Zivilschutzminister Alexander Tschuprijan. Bislang seien die Brände nachts lediglich kontrolliert worden.

Die Bundesregierung kündigte unterdessen an, 100 000 Atemschutzmasken nach Moskau zu schicken. Zudem stelle Deutschland Schläuche, Pumpen, Motoraggregate und weiteres Gerät zur Verfügung, teilte das Bundesinnenministerium in Berlin mit. Das russische Zivilschutzministerium habe um entsprechende Unterstützung ersucht. Berlin hatte Moskau wiederholt Hilfe angeboten.

Das Innenministerium dementierte jedoch, dass auch deutsche Helfer in Moskau eingetroffen seien. Das hatte Interfax unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter des Zivilschutzministeriums gemeldet. Nach offiziellen russischen Angaben sind unter anderem Rettungskräfte aus Italien, Polen und Bulgarien im Einsatz gegen die Feuerwalze.

Nach offiziellen Angaben starben bislang mehr als 50 Menschen infolge der Wald- und Torfbrände. Hunderte Verletzte liegen in Krankenhäusern, Tausende sind auf der Flucht vor den Flammen. Russische Hilfsorganisationen schätzen, dass die Zahl der Toten weit höher liegt. Kremlchef Dmitri Medwedew spendete aus eigener Tasche knapp 9000 Euro für die Brandopfer. Hohe Beamte sollten sich daran ein Beispiel nehmen, sagte Medwedews Sprecherin Natalia Timakowa.

Ärzte in Moskau warnten vor erheblichen gesundheitlichen Problemen. Hunderte Menschen ließen sich wegen Beschwerden in Kliniken behandeln. Der Rauch drang auch in die bis zu 85 Meter tiefen Schächte der weltberühmten Metro.

Einfache Atemschutzmasken seien keine Hilfe, warnte der Moskauer Experte Leonid Lasebnik. Die Bevölkerung wurde daher aufgerufen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben oder gleich die Stadt zu verlassen. Auf den internationalen Flughäfen kam es wegen der schlechten Sicht zu langen Verspätungen, mehrere Flüge wurden in andere Städte umgeleitet. Der Smog werde nicht vor Mittwoch kommender Woche abziehen, sagten Meteorologen.

Auf dem Gelände des atomaren Forschungszentrums in Sarow rund 400 Kilometer östlich von Moskau konnte in der Nacht ein Brand gelöscht werden. Landesweit kämpften Hunderttausende Feuerwehrleute, Soldaten und Freiwillige mit teils primitiven Mitteln gegen die verheerende Feuersbrunst. Dicker Rauch behinderte die Löscharbeiten aus der Luft. Russland erlebt derzeit eine Jahrhundert-Dürre und eine Rekord-Hitze mit Temperaturen um 40 Grad.

Die USA, Großbritannien und Frankreich rieten von nicht notwendigen Reisen nach Moskau und in die Waldbrandgebiete ab. Am Vortag hatte bereits das Auswärtige Amt einen entsprechenden Sicherheitshinweis veröffentlicht. Vor allem chronisch Kranke, ältere Menschen sowie Kinder sollten die betroffenen Regionen meiden. Russlands oberster Amtsarzt Gennadi Onischtschenko kritisierte die Reisewarnungen als «unfreundlichen Akt».

AA-Reisehinweis

Brände / Wetter / Russland
07.08.2010 · 16:27 Uhr
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