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Gewalt im Kaukasus - Russland beginnt Manöver

NATO-Manöver in Georgien Ende Mai. Nun halten auch die Russen im Kaukasus eine große Militärübung ab.Großansicht
Moskau (dpa) - Der Startschuss für das russische Militärmanöver «Kaukasus 2009» mit 8500 Soldaten und 200 Panzern sorgt für hysterische Warnungen vor einem neuen Krieg - nicht nur in Georgien.

Auch Medien im Westen spekulieren, dass es Moskau mit der großflächigen Übung für Heer, Luftwaffe und Marine nicht um die propagierte Stabilität im Kaukasus gehe, sondern um eine Einverleibung der in die NATO strebenden Ex-Sowjetrepublik Georgien. Bei näherer Betrachtung aber hat Moskau andere Probleme. Das zeigen die jüngsten schweren Terroranschläge im russischen Nordkaukasus. Dort droht die Lage nach mehreren Morden an Staatsbeamten einmal mehr außer Kontrolle zu geraten.

Fast täglich erschüttern Terroranschläge islamistischer Untergrundkämpfer die russischen Teilrepubliken Dagestan, Inguschetien und das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien. Experten sehen nicht nur eine deutliche Zunahme der Gewalt. Sie heben auch eine wachsende «Professionalität» bei den Fundamentalisten in der Region hervor, die eine Loslösung von Russland wollen. Prominente Opfer waren zuletzt der erschossene dagestanische Innenminister sowie Inguschetiens Präsident Junus Bek-Jewkurow, der seit einem Bombenanschlag vor einer Woche im Koma liegt.

Kaukasusexperten werten die Gewaltwelle als Zeichen einer besseren Organisation der Islamisten. Auf ihrer russischsprachigen Internet- Seite www.jamaatshariat.com etwa werben die Anhänger für ein eigenes Kaukasus-Emirat. Russische Medien berichten, dass auch immer mehr Intellektuelle in die Fänge der «Extremisten» geraten. Nach dem Krieg in Tschetschenien in den 1990er Jahren fürchtet Moskau ein neues Erstarken der Unabhängigkeitsbewegungen im Nordkaukasus.

Staatspräsident Dmitri Medwedew befahl am Wochenende eine «Vernichtung der Banditen», wie die Rebellen im offiziellen Sprachgebrauch heißen. Der Kremlchef beauftragte Tschetscheniens gefürchteten Präsidenten Ramsan Kadyrow mit der Leitung der Anti- Terror-Einsätze in der Nachbarrepublik Inguschetien. Es werde keine Gnade für islamistische Rebellen geben, drohte Kadyrow, dessen Teilrepublik auch Jahre nach dem Ende des Tschetschenien-Krieges nicht zur Ruhe kommt.

Die radikalen Islamisten werfen den russischen Behörden unterdessen vor, die Interessen der Muslime zu missachten. Muslimische Bürger würden gefoltert und ermordet. Die Staatsmacht aber bestreitet dies. Allein in Dagestan starben seit Jahresbeginn fast dreimal so viele Sicherheitskräfte wie im Vorjahreszeitraum. Medwedews Dagestan-Beauftragter Anatoli Safonow betonte, dass der Terrorismus wieder mehr aus dem Ausland organisiert werde. So hätten etwa im Irak ausgebildete Terroristen auch den Kaukasus im Blick.

«Das Ziel der Extremisten sind Terroranschläge auf wichtige Transport- und Energieadern, auch auf strategische Objekte», sagte Militärsprecher Andrej Bobrun am Montag zu Beginn des Manövers. Es gehe deshalb darum, die «Liquidierung illegaler bewaffneter Banden» zu üben. Die bis 6. Juli angesetzte Übung erstreckt sich auf etwa zehn Regionen im Süden Russlands, wird aber auch auf die von Georgien abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien ausgeweitet.

Generalstabschef Nikolai Makarow verteidigte die Übungen in Abchasien und Südossetien ein Jahr nach dem Kaukasuskrieg mit «revanchistischen Plänen» der Georgier. Schon jetzt sei das georgische Militärpotenzial wegen der Hilfe aus dem Westen größer als vor dem August-Krieg 2008, sagte Makarow laut der Zeitung «Nesawissimaja Gaseta». Im Fall eines Angriffs, betonte der Kommandeur, könne Russland «eine entsprechende Antwort» geben.

Konflikte / Nordkaukasus / Russland
29.06.2009 · 17:09 Uhr
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