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Geteiltes Echo auf Islamkonferenz

Tuba Isik-Yigit und Kristina SchröderGroßansicht
Berlin (dpa) - Die Neuauflage der Deutschen Islamkonferenz unter Leitung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist in der Politik auf ein geteiltes Echo gestoßen.

«Die Islamkonferenz ist jetzt in eine neue, in eine praktische Phase eingetreten», sagte die an den Gesprächen beteiligte Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU) der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag). Aus den Reihen der SPD wurde Kritik unter anderem an der Auswahl der Konferenzteilnehmer geübt.

«Die Bundesregierung und Innenminister de Maizière haben die Chance verspielt, mit den Muslimen und Islam-Verbänden in Deutschland in einen fruchtbaren Dialog einzutreten», sagte die Integrationsbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Aydan Özoguz. Angesichts der Einladungspolitik des Innenministers seien Sachthemen wie die Ausbildung von Islam-Lehrern an deutschen Universitäten, Islamfeindlichkeit sowie die gemeinsame Bekämpfung von Extremismus in den Hintergrund gedrängt worden.

Zum Auftakt legte die Konferenz am Montag ihr Arbeitsprogramm fest. Es soll ein bundesweites Modellkonzept für islamischen Religionsunterricht entwickelt werden. Die Konferenz will eine Studie in Auftrag geben, um zu klären, welche Faktoren bei der unterschiedlichen Behandlung von Frauen und Männern eine Rolle spielen. Ein dritter Schwerpunkt ist die Abgrenzung des Islams vom gewalttätigen Islamismus. Hierbei soll auch das Thema Islamophobie eine Rolle spielen.

Im Vorfeld der Konferenz hatte die Absage des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD) für Aufsehen gesorgt. Seiner Meinung nach formuliert die Konferenz keine konkreten Ziele. Zudem sei die personelle Zusammensetzung falsch. Eine andere muslimische Organisation, der Islamrat, darf nicht mehr aktiv teilnehmen, weil strafrechtliche Ermittlungen gegen hohe Funktionäre seines größten Mitglieds Milli Görüs laufen. De Maizière hatte eine ruhende Mitgliedschaft angeboten, die der Islamrat aber ablehnte. Experten kritisierten, die anwesenden Vertreter repräsentierten nur einen Teil der muslimischen Gemeinden in Deutschland.

Die Islamkonferenz war 2006 vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) einberufen worden, um die Integration der in Deutschland lebenden Muslime zu verbessern. In Deutschland leben rund vier Millionen Muslime, etwa die Hälfte hat einen deutschen Pass.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung regte an, den Dialog bis in die Kommunen zu tragen. «Kleine Islamkonferenzen, wenn man so will. Die Moscheegemeinden vor Ort sollten sich dafür öffnen», sagte Böhmer.

Gesellschaft / Integration
18.05.2010 · 07:09 Uhr
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