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Geständnisse zu Eislinger Vierfachmord angekündigt

Vierfachmord in EislingenGroßansicht
Ulm (dpa) - Sie sollen wie Killer vorgegangen sein, eiskalt und geplant: Gemeinsam mit seinem Schulfreund soll ein 19-Jähriger seine Familie in Eislingen mit 30 Schüssen ermordet haben. Zum Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht Ulm kündigten die Verteidiger Geständnisse an.

«Zu gegebener Zeit werden Angaben kommen - auch geständige Angaben», sagte der Anwalt des 19-jährigen Sohnes der Familie. Auch der Anwalt des Schulfreundes kündigte eine Aussage an. Die beiden 19-Jährigen sind wegen vierfachen Mordes angeklagt. Ihr Motiv soll Habgier gewesen sein.

Geständnisse erst nach Gutachten

Die Bluttat von Eislingen schockte die Region: In der Nacht auf Karfreitag sollen die beiden jungen Männer erst die beiden Schwestern des damals 18-Jährigen ermordet haben, danach brachten sie auch die Eltern um, als diese aus einer Gaststätte zurückkehrten.

Vor Gericht blieben die beiden Angeklagten zunächst wortkarg. Sie wollten sich nur zu den ihnen ebenfalls vorgeworfenen Diebstählen äußern. Unter anderem sollen sie die beiden Tatwaffen einem Schützenverein gestohlen haben, in dem sie selbst Mitglied waren. Mit möglichen Geständnissen wollen sie nach Angaben ihrer Anwälte abwarten, bis das Gutachten des Sachverständigen vollständig vorliegt. Die Stellungnahme des Experten ist für den dritten Verhandlungstag am 4. November eingeplant. Der Prozess wird an diesem Donnerstag fortgesetzt. Die Öffentlichkeit ist bis auf wenige Journalisten ausgeschlossen.

Todesschütze: «Ich vermisse meinen Vater»

Im Landgericht trugen die beiden jungen Männer Kapuzenpullover. Sie wurden in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt. Der 19 Jahre alte Schulfreund tauschte einen kurzen Blick mit seinen Eltern, die den Prozess verfolgen dürfen. Während der Verhandlung verschränkte der Schulfreund des Sohnes die Arme vor dem Bauch. Der Sohn selbst hatte kurz vor dem Prozess einen Anflug von Reue gezeigt: «Das Schlimmste ist, dass ich meinen Vater so vermisse», sagte er der «Bild am Sonntag».

Laut Anklageschrift soll Habgier die Schulfreunde zu der Tat getrieben haben. Demnach wollte der damals 18-Jährige aus dem Elternhaus ausziehen - nur fehlte ihm dazu das Geld. Als er im vergangenen Februar von seiner Mutter die Vollmacht für ein Konto mit einem Guthaben in Höhe von rund 256 000 Euro erhielt, soll er auf die Idee gekommen sein, seine Familie zu töten, um Alleinerbe des Vermögens zu werden. Sein Komplize habe sogar schon eine Wunschliste erstellt.

Eltern schließen Geld als Motiv aus

Die Anwälte sehen das Motiv eher in den innerfamiliären Verhältnissen und in der Freundschaft der beiden jungen Männer. Auch die Eltern des Schulfreundes schließen materielle Probleme als Motiv aus.

Laut Staatsanwaltschaft erfuhr der Sohn am Vortag der Tat, dass seine Schwestern am Gründonnerstag allein zu Hause sein werden. Er habe daraufhin zunächst die «Durchschlagskraft» der gestohlenen Waffen getestet, bevor er am Tattag seinen bereits eingeweihten Schulfreund detailliert informierte. Die jungen Männer erschossen die Schwestern in ihren Schlafzügen vor dem Fernseher - vor allem mit gezielten Schüssen in den Hals, das Gesicht und den Oberkörper. «Sie hatten keine Gelegenheit, den Angriff abzuwehren», heißt es in der Anklageschrift.

Anschließend gingen die jungen Männer zu den Eltern in eine Gaststätte, kehrten dann aber in die Wohnung zurück und warteten auf ihre Opfer. Der Mann wurde von seinem Sohn mit acht Schüssen niedergestreckt. Als die Mutter die Schüsse hörte und von der Toilette in den Flur stürmte, wurde auch sie von ihrem Sohn getötet. Der mitangeklagte Schulfreund soll einen weiteren Schuss auf die Mutter abgefeuert haben.

«Wie die Lämmle»

Danach versteckten die Täter die Waffen, der Schulfreund ging nach Hause und wartete dort auf seinen Kumpan, heißt es in der Anklageschrift. Erst am Morgen nach der Tat alarmierte der Sohn die Polizei und gab an, er habe die Leichen seiner Eltern und Schwestern entdeckt. Da die Ermittler keine Einbruchspuren entdeckten, nahmen sie die beiden Freunde schnell ins Visier.

Der Halbbruder des erschossen Vaters tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Er wolle die Hintergründe der Tat erfahren, sagte er nach der Verhandlung, und fügte hinzu: «Es regt mich auf, wenn die Kerle da drin sitzen wie die Lämmle und killen dann vier Stück.»

Prozesse / Kriminalität
12.10.2009 · 18:22 Uhr
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