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Gespräch: Worte für die Bilder finden

Tote bei Loveparade - TrauerGroßansicht

Duisburg (dpa) - «Das Entsetzen muss sich Raum nehmen», sagt Martin Winterberg. Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Duisburg hat am Samstag Opfer und Angehörige des Loveparade-Unglücks betreut. «Es ist wichtig, sofort Worte für die Bilder zu finden.»

Winterberg war am Hubschrauber-Landeplatz auf der gesperrten A 59 im Einsatz.

Besonders dramatisch war für den Pfarrer das Gespräch mit den vier Freundinnen der Australierin, die am Samstag ums Leben gekommen ist. Die Loveparade sollte der Höhepunkt der Europa-Tour der fünf jungen Frauen sein, berichtet Winterberg. «Und dann fliegen auf einmal nur vier zurück nach Hause», sagt er. «Die wollten einfach nur weg, weil ja die Musik im Hintergrund weiter wummerte.» Das sei dann auch kurzfristig organisiert worden.

«Ich habe Menschen gesehen, die nicht wussten, ob sie weinen oder lachen sollten», sagt der Geistliche. An dem Sammelplatz kümmerte er sich um einen 28-Jährigen, der zuvor zwei 13-Jährigen das Leben gerettet hat. «Die Mädchen waren hingefallen, und er hat sie aus dem Gedränge gezogen», sagt Winterberg.

Der Mann wurde dann selbst von Ärzten betreut, weil er sich eine Thorax-Prellung und eine Verletzung am Fuß zugezogen hatte. «Ein Notarzt hat ihm gesagt, dass er ein Held sei.» Doch das werde überschattet davon, dass direkt neben ihm eine Frau das Unglück nicht überlebt habe. «Der Mann kam nach der Erstversorgung in ein Krankenhaus. Dahin haben wir dann noch einen Seelsorger-Kollegen bestellt.»

Wie das Erlebte bei den Opfern und Zeugen wirkt, lässt sich nach Einschätzung von Winterberg nicht vorhersagen. Eine Frau aus Bottrop hatte nur noch ein Bild im Kopf gehabt: «Da fallen dicke Menschen auf andere drauf», hätte die Frau immer wiederholt. Dann musste sie über Tote steigen, um da raus zu kommen.

Die Verarbeitung solcher Erlebnisse klappe bei den meisten Menschen sehr gut. «Man muss aber darüber reden, muss erzählen, was man erlebt hat», rät er. Binnen einiger Tage zeige sich, ob das Erlebte eingeordnet und damit auch verarbeitet werden kann.

Notfälle / Loveparade
26.07.2010 · 16:52 Uhr
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