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Gespräch: Panikattacke treibt zur Flucht

Münster (dpa) - Wie können Menschen auf anderen herumtrampeln? Rücksichtslos nur an sich selbst denken? «Panik ist ein biologisch fundiertes Angstprogramm», erklärt Psychologe Dr. Fabian Andor.

«Es löst den Impuls aus zu fliehen oder zu kämpfen», sagte der Wissenschaftler von der Universität Münster. «In so einer Situation ist man nicht mehr in der Lage, klar zu denken. Da denkt jeder erstmal nur an sich.»

Und der einzige Gedanke ist: Weg von hier. «Das Denken wird beherrscht von dem unbändigen Wunsch, so schnell wie möglich aus der Situation herauskommen zu wollen. Alles ist auf Flucht ausgerichtet», erläuterte Andor. Der Körper wird zu Höchstleistungen angetrieben.

Es werde zwischen zwei Fällen von Panik unterschieden. Zum einen gebe es eine Panikreaktion aufgrund einer realen Gefahr. «Sie wird in der Regel durch äußere Umstände ausgelöst. So war es bei der Loveparade in Duisburg. Die Menschen waren eingequetscht, es war eng, da haben Menschen Angst bekommen und haben versucht, über eine Treppe zu flüchten. Als sie dann abgestürzt sind, haben andere Panik bekommen. Das war eine reale Gefahrensituation, die typisch ist für eine anschließende Panikreaktion.»

Zum anderen könne Panik auch entstehen, wenn gar keine reale Gefahr besteht. «Die Betreffenden haben dann eine psychische Störung. Sie bekommen Panik zum Beispiel in engen Räumen oder in Höhen. Oder auch, wenn es überhaupt keinen äußeren Anlass gibt», erklärt der Wissenschaftler.

Körperlich fühle sich eine Panikattacke an wie ein Herzinfarkt. Das Herz fange an, sehr schnell zu schlagen, die Atmung beschleunige sich, damit der Sauerstofftransport in die Muskeln gewährleistet ist, sagte der von der Universität Münster der Nachrichtenagentur dpa am Montag. «Der Körper bereitet sich auf eine Bedrohungssituation vor und braucht viel Kraft und Energie. Es wird viel Adrenalin ausgeschüttet, die Betreffenden schwitzen, ihnen wird schwindelig und sie verlieren die Orientierung. Hinzu kommt ein Kribbeln in Händen und Füßen. Das vorherrschende Gefühl ist Todesangst.»

Sterben könne man allein an einer Panikattacke jedoch nicht. «Von der Außenwirkung her ist das zwar total dramatisch. Innerhalb von einer Minute wird der Anfall richtig schlimm», sagte Andor. «Aber es ist körperlich nicht gefährlich, sondern total harmlos. Wenn man nichts machen würde, wenn man einfach stehen bleiben würde, dann würde sich das körperliche Gefühl wieder legen, der Adrenalinschub vorbeigehen und das Herz normal schlagen.»

Notfälle / Loveparade
26.07.2010 · 16:44 Uhr
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