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Gespräch: Hoffnung ruht auf Strom und Wasserpumpen

Berlin (dpa) - Wasserwerfer und Strom: Können Techniker einen Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima damit verhindern? Horst May, Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), schätzt die aktuelle Lage als ungewiss ein.

Die entscheidende Frage sei, ob Strom die Pumpen wieder in Gang bringen könne, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Hat sich die Situation in Fukushima aus Ihrer Sicht verbessert, seit Wasserwerfer im Einsatz sind? Die japanische Regierung spricht von einer Stabilisierung in Reaktor 3.

Horst May: Wasserwerfer können nur dazu beitragen, die Brennelementebecken im oberen Teil der Kraftwerksgebäude zu kühlen. Es ist von hier aus schwierig zu beurteilen, ob das wirklich den gewünschten Effekt hat. Wir haben da nur die Angaben der Kraftwerksbetreiber als Quelle. Ein Brennelementebecken hat nach unseren Informationen ein Fassungsvermögen von mehr als 1000 Kubikmetern. Mit einem gezielten Bogen kann ein Wasserwerfer die Lagerbecken treffen. Aber wie viel Wasser er einbringen kann, wissen wir nicht. Aber immerhin. Das ist schon eine Möglichkeit, die Lage zu verbessern.

Wasserwerfer können die heißen Reaktorkerne im Inneren der Gebäude nicht erreichen. Da helfen nur Wasserpumpen und die brauchen Energie. Hängt jetzt also alles am Strom?

Horst May: Ja. Durch den Tsunami waren die Reaktoren von der Stromversorgung abgeschnitten und die Batterien haben nur einige Zeit gehalten. Das Problem ist, überhaupt wieder Strom zu den Anlagen hinzubekommen. Das wird gerade versucht. Die Kühlung der Reaktorkerne in den Reaktordruckbehältern und die Kühlung der Brennelemente in den Lagerbecken ist das Ziel aller Anstrengungen. Die Mannschaft soll zurzeit eine Behelfsschaltanlage einrichten und versucht dann gezielt, Geräte wieder zuzuschalten. Es bleibt aber die Frage, ob die Geräte wieder anspringen.

In halb zerstörten Gebäuden klingt das nicht sehr realistisch, oder?

Horst May: Das ist richtig. Niemand weiß wohl genau, wie es im Inneren der Gebäude aussieht. Wegen der Strahlung ist nicht bekannt, welche Teile der Gebäude betreten werden können. Ebenfalls ist nicht bekannt, welche Messgeräte noch funktionieren. Es gibt jedoch Pumpen, die außerhalb der Reaktoren liegen. Über deren Zustand wissen wir aber auch nichts.

In welchem Kraftwerksbereich ist die Lage aus Ihrer Sicht zurzeit am dramatischsten?

Horst May: In den Reaktoren 3 und 4 sieht es aufgrund der Kühlungssituation in den Brennelementlagerbecken derzeit am schlimmsten aus.

Erdbeben / Atom / Japan
19.03.2011 · 15:40 Uhr
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