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Gespräch: Bei Afghanistan-Hilfe wird nicht bekehrt

Berlin (dpa) - Die christliche Hilfsorganisation IAM, deren Mitarbeiter bei einem Taliban-Angriff getötet wurden, ist nach Angaben eines deutschen Partners in Afghanistan nicht in religiöser Mission unterwegs.

Wolfgang Jochum, Sprecher der Christoffel-Blindenmission, die in Afghanistan mit IAM kooperiert und behinderten Menschen hilft, sagte am Samstag der Nachrichtenagentur dpa, er gehe davon aus, dass IAM nicht versuche, Menschen zu missionieren.

Christoffel arbeite seit mehr als 30 Jahren mit IAM am Hindukusch zusammen: «Das ist ein bewährter Partner für Afghanistan.» Dort versorge die International Assistance Mission (IAM) jährlich etwa 250 000 Menschen mit Augenerkrankungen. «Wir führen mit Hilfe von IAM Augencamps durch. Das heißt, Teams gehen in ländliche Regionen und versorgen dort Augenpatienten.»

Die Religion stehe für Christoffel dabei nicht im Vordergrund: «Wir sind zwar eine christliche Hilfsorganisation, aber wir helfen, weil die Menschen in Not sind. Da ist das Missionieren kein Thema», sagte Jochum.

Die Taliban hatten sich zum tödlichen Angriff auf die IAM- Mitarbeiter bekannt und erklärt, es habe sich um «christliche Missionare» gehandelt, die angeblich Geheimdienstinformationen in der Gegend gesammelt hätten.

Jochum betonte, Teams mit Augenärzten würden nicht leichtfertig oder auf eigene Faust aufbrechen. Bevor ein Einsatz stattfinde, würden alle erforderlichen Informationen - auch zur Sicherheitslage - eingeholt. Zum konkreten Fall, bei dem nach Polizeiangaben mehrere US-Bürger und eine Deutsche im Nordosten Afghanistans getötet wurden, sagte der Experte: «Ich gehe davon aus, dass die Gruppe eingeladen war von den Dorfautoritäten.»

Die Christoffel Blindenmission (CBM) mit Sitz im hessischen Bensheim wolle nach den Todesfällen ihre Arbeit in Afghanistan zunächst stoppen, kündigte Jochum an. In den nächsten Tagen werde intensiv geprüft, welche neuen Erfordernisse es gebe.

CBM verfügt nach eigenen Angaben über ein Jahresbudget von 56 Millionen Euro und darf seit 1993 das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) führen. Derzeit würden in 99 Ländern in Asien, Afrika, Lateinamerika sowie Osteuropa fast 900 Projekte gefördert. Namensgeber war der Gründer Pastor Ernst Jakob Christoffel, der 1908 in die Türkei ging, um blinden Kindern zu helfen.

Selbstporträt Christoffel-Blindenmission

Internetseite IAM

Konflikte / Afghanistan
07.08.2010 · 22:09 Uhr
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