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Gespannte Nervosität in Abidjan - Tausende fliehen

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Nairobi/Abidjan (dpa) - Im Machtkonflikt im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste herrscht nach den tödlichen Straßenkämpfen weiter eine angespannte Nervosität. Anhänger des Siegers der Präsidentenwahl, Alassane Ouattara, wollten zur Regierungskanzlei marschieren und sie besetzen.

Anders als am Donnerstag, als tausende Ouattara-Anhänger in mehreren Städten demonstrierten, folgten bis zum Abend allerdings nur wenige dem Aufruf. Die Vereinten Nationen sprachen nach der jüngsten Eskalation von einer gefährlichen Wende im Machtkonflikt um den amtierenden Präsidenten Laurent Gbagbo.

Viele Menschen schienen nach der Gewalt des Vortags, als mindestens 20 Demonstranten von Sicherheitskräften getötet worden waren, entmutigt und verängstigt. Nach Expertenschätzungen verließen in den vergangenen Tagen tausende Flüchtlinge das Land.

Die meisten Geschäfte in Abidjan blieben am Freitag aus Angst vor neuer Gewalt geschlossen. Polizei und Armee hielten alle strategisch wichtigen Straßen besetzt. Dominique Liengme, Leiterin der Delegation des Internationalen Komitee des Roten Kreuz (IKRK) in Elfenbeinküste, sprach von «vielen Toten und Verletzten in mehreren Städten.» Sie appellierte an die Konfliktparteien, sich an die Regeln des Völkerrechts zu halten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, er sei «äußerst besorgt« über die gewaltsamen Ausschreitungen in Abidjan und anderen Städten des westafrikanischen Landes. Westerwelle rief alle Parteien auf, von gewaltsamen Auseinandersetzungen Abstand zu nehmen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Regierung des Landes auf, die UN-Vertreter im Land nicht bei ihrem Einsatz zu behindern. Deren wichtigste Aufgabe sei es jetzt, die zivile Bevölkerung zu schützen.

«Jeglicher Versuch, UN-Einsätze zu behindern oder das Golf Hotel zu blockieren, ist inakzeptabel», erklärte Ban. Angriffe auf UN- Vertreter seien Angriffe auf die internationale Gemeinschaft, für die die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Im Golf Hotel in der ivorischen Hauptstadt liegt Ouattaras Hauptquartier.

Ban rief den bisherigen Präsidenten Gbagbo erneut dazu auf, das Amt für seinen legitimen Nachfolger Outtara ohne weitere Behinderungen freizugeben. Der kenianische Premierminister Raila Odinga sagte am Freitag, notfalls müsse Gbagbo mit militärischen Mitteln zum Amtsverzicht gezwungen werden. Die EU hatte schon vor Tagen Sanktionen gegen Elfenbeinküste beschlossen, die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas hat die Zusammenarbeit ausgesetzt.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind in den vergangenen Tagen mehr als 4000 Menschen aus der Elfenbeinküste in die Nachbarstaaten Liberia und Guinea geflohen. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder, die zum Teil barfuß und nur mit dem Nötigsten die Grenzen überqueren.

Gbagbo weigert sich trotz des internationalen Drucks, seine Niederlage bei der Stichwahl vom 28. November einzugestehen. Das von einem Parteifreund Gbagbos geleitete Verfassungsgericht hatte ihm den Wahlsieg zugesprochen, während die unabhängige Wahlkommission Ouattara zum Wahlsieger erklärt hatte. Die ivorischen Streitkräfte halten bisher Gbagbo die Treue.

Wahlen / Konflikte / Elfenbeinküste
17.12.2010 · 20:35 Uhr
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