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General gibt Schwulen Mitschuld an Srebrenica-Massaker

Gedenkstätte in SrebrenicaGroßansicht
Den Haag (dpa) - Ein früherer US-General hat mit der Behauptung, Schwule in den Reihen niederländischer UN-Friedenstruppen seien Mitschuld am Völkermord von Srebrenica, einen Proteststurm ausgelöst.

Der niederländische Regierungschef Jan Peter Balkendende und mehrere Minister verurteilten die Äußerungen des Ex-Generals der US-Marineinfanterie, John Sheehan, scharf. Sie seien «unhaltbar und völlig geschmacklos», erklärte Ministerpräsident Jan Peter Balkenende am Freitag. Er sehe dennoch «keinen Grund für weitere Aktionen in Richtung USA».

Verteidigungsminister Eimert van Middelkorp nannte die Äußerungen Scheehans «schändlich und eines Soldaten unwürdig». Außenminister Maxime Verhagen betonte im Fernsehen: «Die Niederlande sind stolz auf alle ihre Soldaten, Männer und Frauen, Homosexuelle und Heterosexuelle.» Im sozialen Netzwerk Twitter schrieb er, die Behauptungen Sheehans hätten eher «mit der Diskussion in den USA über Homosexuelle in den Streitkräften zu tun». In den USA distanzierte sich der Chef des Streitkräfte-Ausschusses, Senator Carl Levin, von dem Ex-General. Sheehan liege «völlig daneben», sagte er.

Der 1997 pensionierte General und NATO-Kommandeur hatte am Vortag bei einer Senatsanhörung in Washington dargelegt, die Kampfmoral der niederländischen Truppe sei offenbar wegen der Anwesenheit schwuler Soldaten zu gering gewesen für eine Verteidigung von Srebrenica. Sheehan wurde zu Fragen über eine Zulassung offen Homosexueller zum Dienst in den US-Streitkräften angehört. Er verwies auf europäische Armeen, die seit dem Ende des Kalten Krieges Homosexuelle als Soldaten akzeptiert und sich auf Friedenseinsätze konzentriert hätten, «weil sie nicht mehr glaubten, die Deutschen würden noch mal angreifen oder die Sowjets würden wiederkommen».  

Vor laufenden Kameras erklärte Sheehan bei der Anhörung, der damalige niederländische Stabschef Henk van den Breemen habe ihm gesagt, schwule Soldaten seien in Srebrenica «Teil des Problems» gewesen. Die Behauptung sei «schlichtweg albern», erklärte der Sprecher des niederländischen Verteidigungsministeriums, Roger van de Wetering. «Das Massaker von Srebrenica und die Rolle der UN-Soldaten sind durch die Niederlande, internationale Organisationen und die Vereinten Nationen intensiv untersucht worden. Dabei wurde niemals festgestellt, dass die sexuelle Orientierung von Soldaten irgendeine Rolle spielte.»

Die Muslim-Enklave Srebrenica war 1995 im Balkan-Krieg von Niederländern bewacht worden. Sie waren in der Unterzahl und hatten keinen ausdrücklichen Kampfbefehl des UN-Sicherheitsrates. Nach Angriffsdrohungen zogen sich die holländischen Blauhelme zurück. Daraufhin eroberten bosnisch-serbische Streitkräfte Srebrenica und töteten rund 8000 muslimische Männer und Jungen. Die UN bewerten das Verbrechen als Völkermord.

Abgesehen von den unhaltbaren Vorwürfen gegen Homosexuelle habe Sheehan zu Recht darauf hingewiesen, «dass die niederländischen Truppen es unterlassen haben, die Zivilbevölkerung von Srebrenica zu schützen», erklärte der Anwalt der Hinterbliebenen-Organisation «Mütter von Srebrenica», Axel Hagedorn. Sie hätten versuchen müssen, den Völkermord zu verhindern. Der Amsterdamer Anwalt vertritt Entschädigungsklagen von etwa 6000 Angehörigen von Opfern des Völkermordes gegen die UN und die niederländische Regierung.

Scharfen Protest gegen die Äußerungen des Ex-Generals erhob auch der niederländische Soldatenbund. «In den US-Streitkräften gibt es leidenschaftliche Gegner andersgearteter Menschen, die zu den wildesten Argumenten greifen», sagte Verbandsvorsitzender Wim van den Burg. Die niederländische Stiftung Homosexualität und Streitkräfte erklärte: «Soldaten leisten das Beste, wenn sie sein dürfen, wie sie wirklich sind.»

NATO / Homosexuelle / Niederlande / USA
19.03.2010 · 16:21 Uhr
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