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Geiseldrama mit 65 Toten wird untersucht

Anschlag in TikritGroßansicht

Bagdad (dpa) - Nach dem blutigen Geiseldrama in der irakischen Stadt Tikrit mit 65 Toten hat Ministerpräsident Nuri al-Maliki eine Untersuchung des Verbrechens angeordnet.

Der Regierungschef setzte am Mittwoch eine Sonderkommission aus Vertretern der Sicherheitsorgane ein, um die Hintergründe des Blutbades aufklären zu lassen. «Die Kriminellen, die dieses Verbrechen geplant, in die Tat umgesetzt und ihm als Komplizen gedient haben, werden ihrer Bestrafung nicht entgehen», hieß es in einer Stellungnahme Al-Malikis, die in Bagdad veröffentlicht wurde.

Extremisten hatten am Dienstag das Provinzparlament in Tikrit gestürmt und die dort tagenden Abgeordneten in ihre Gewalt gebracht. Irakische Sicherheitskräfte stürmten wenige Stunden später das Gebäude, um die Geiseln zu befreien. Zahlreiche Geiseln starben dabei, unter ihnen drei Abgeordnete des Provinzparlamentes, zahlreiche Beamte, Regierungsangestellte, Polizisten und zwei Journalisten. Einer von ihnen arbeitete für die Nachrichtenagentur Reuters und den arabischen Nachrichtensender Al-Arabija. Unter den Toten sind auch die zehn Geiselnehmer.

Bereits bei der Erstürmung des Parlaments durch die Extremisten am Vormittag waren zehn Menschen getötet worden. Die schwer bewaffneten Angreifer, von denen viele Polizeiuniformen trugen, zündeten vor dem Gebäude zwei Autobomben und lieferten sich mit den Sicherheitskräften ein Feuergefecht, ehe sie in den Sitzungssaal des Parlaments eindrangen.

Scheich Chalid Abdul Wahab al-Mulla, ein führender Kleriker aus dem Südirak, sagte am Mittwoch, die Geiselnahme trage die Handschrift des Terrornetzes Al-Kaida im Irak. Die Organisation hat sich allerdings bislang nicht dazu bekannt. Kritiker der Regierung warfen indes die Frage auf, inwieweit die schleppende Bildung der jüngsten Al-Maliki-Regierung zum Entstehen eines gewissen Sicherheitsvakuums beigetragen hat.

Al-Malikis Liste war bei den Wahlen vor einem Jahr nur auf dem zweiten Platz hinter der Irakija-Partei seines Erzrivalen Ijad Allawi gelandet. In komplizierten Koalitionsverhandlungen hatte der machtbewusste Politiker im vergangenen November dennoch eine neue Regierung unter seiner Führung zustande gebracht. Wegen der immer noch ausstehenden Einigung über die komplette Kabinettsliste sind aber die Posten des Innen- und des Verteidigungsministers bis heute unbesetzt. Al-Maliki hat beide Ämter vorübergehend selbst inne.

Konflikte / Irak
30.03.2011 · 14:15 Uhr
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