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Gefechte überschatten Guttenberg-Besuch

Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg kommt im Feldlager Masar-I-Scharif der Bundeswehr an.Großansicht
Kundus (dpa) - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat bei einem Bundeswehr-Besuch in Nordafghanistan einen Eindruck von den Gefahren des Einsatzes für die Soldaten bekommen.

Ein Abstecher zu den deutschen Kampftruppen in der Unruheprovinz Baghlan wurde am Freitag aufgrund von Gefechten mit den radikal-islamischen Taliban kurzfristig abgesagt. Der Minister war bereits mit einem Hubschrauber zu den Soldaten der schnellen Eingreiftruppe («Quick Reaction Force») unterwegs, als ihn die Nachricht erreichte.

Es wäre der erste Besuch eines Truppenteils in Afghanistan außerhalb der Feldlager gewesen. Auf Empfehlung des Kommandeurs der Truppe kehrte Guttenberg jedoch nach Kundus zurück. «Sicherheit geht vor, auch für die Männer vor Ort», sagte er.

In Kundus hatte sich der CSU-Politiker zuvor bei den Soldaten über den Dienst am gefährlichsten Einsatzort der Bundeswehr informiert. In den vergangenen Wochen sind die Truppen in der nordafghanischen Unruheregion immer wieder von Aufständischen angegriffen worden. Die Situation bereite ihm Sorge, denn die Taliban in der Region gingen zunehmend professioneller vor, erklärte Guttenberg. Zugleich warnte er, dass sich die Sicherheitslage in den nächsten zwei Monaten vor den Parlamentswahlen in Afghanistan weiter verschlechtern könnte.

Sein Besuch solle daher zur Motivation der Soldaten in einer kritischen Phase ihres Einsatzes beitragen. Er sei nach Afghanistan gekommen, um ihnen «die Unterstützung der Bundesregierung zu übermitteln», sagte der Verteidigungsminister. Im April waren sieben deutsche Soldaten bei Kämpfen in Kundus und Baghlan getötet worden.

Vor dem Hintergrund der angespannten Sicherheitslage inspizierte Guttenberg zwei schwere Artilleriegeschütze, deren Verlegung nach Kundus er nach der Anschlagsserie im Frühjahr angeordnet hatte. Die Panzerhaubitze 2000 sei «eine wichtige Waffe, um dort wirken zu können, wo man wirken muss», sagte er. Die 155-Millimeter-Kanone, mit der am vergangenen Wochenende erstmals scharf geschossen wurde, hat eine Reichweite von 40 Kilometern. Zur Kritik an der Ausrüstung der Bundeswehr erklärte der Minister, Bewaffnung und Ausstattung seien «als Prozess zu sehen, den man nie als beendet betrachten darf».

Der Verteidigungsminister war in der Nacht zu Freitag wegen einer Flugzeugpanne mit 16 Stunden Verspätung im Hauptquartier der internationalen Schutztruppe ISAF für Nordafghanistan in Masar-i- Scharif eingetroffen. Am frühen Morgen nahm er an der Übergabe von rund 40 amerikanischen Kampf- und Sanitätshubschraubern an das Regionalkommando teil. Anschließend flog er nach Kundus weiter. Ein dort geplantes Treffen mit dem neuen ISAF-Kommandeur, General David Petraeus, musste wegen der Verspätung abgesagt werden.

Konflikte / Guttenberg / Afghanistan
16.07.2010 · 13:05 Uhr
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