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Gefangenenaustausch in Nahost in Warteschleife

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Tel Aviv (Gaza) - Der mit Spannung erwartete Gefangenenaustausch zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen wird voraussichtlich später beginnen als erwartet. Die Details würden erst an diesem Wochenende geregelt, sagte ein hochrangiger Regierungsbeamter am Freitag in Jerusalem.

Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, hat indirekt bestätigt, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst an der Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit beteiligt war. Im Gegenzug für die Freilassung des 25-Jährigen soll Israel 1027 Palästinenser aus seinen Gefängnissen entlassen. In Israel gibt es dagegen erste Proteste.

Der BND sei mit Unterstützungsaufgaben betraut worden, die besonders qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter übernommen hätten, die sich im Nahen Osten sehr gut auskannten, sagte Uhrlau am Freitag im ARD-Morgenmagazin. «Wenn jetzt ein Ergebnis erzielt worden ist, das möglichst bald Schalit nach fünfeinhalb Jahren in den Kreis seiner Familie zurückführt, dann ist das ein großer Erfolg», sagte Uhrlau. «Und wenn Deutschland und der BND dort einen Anteil hatten, dann macht uns das auch stolz.»

Allerdings steht bislang noch nicht fest, wann der entführte Schalit und die ersten 477 inhaftierten Palästinenser zu ihren Familien zurückkehren werden. Bislang sei der Dienstag im Gespräch, aber es könne Verzögerungen geben, sagte der Regierungsbeamte. Unklar ist weiterhin, wann Israel die anderen 550 Häftlinge freilassen wird.

Spekulationen, wonach Schalit nach seiner Freilassung zuerst zur medizinischen Untersuchung nach Deutschland gebracht wird, wurden bisher nicht bestätigt. Israelische Medien berichteten, dass der Soldat an der Grenze des Gazastreifens zu Ägypten übergeben werde. Dort würden ihn Vertreter Ägyptens und Israels in Obhut nehmen. Nach Überprüfung seiner Identität und einer ersten medizinischen Untersuchung werde er danach auf eine israelische Militärbasis gebracht. Dort könnten die Eltern ihren Sohn nach mehr als fünf Jahre langer Gefangenschaft in die Arme schließen.

Die radikalislamische Hamas hat bereits eine Liste mit den Namen von 477 Häftlingen veröffentlicht, die in einem ersten Schritt freigelassen werden sollen. Darunter sind 280 Gefangene, die von israelischen Gerichten wegen der direkten oder indirekten Beteiligung an Terroranschlägen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden waren. Viele Häftlinge hätten bereits mehr als 30 Jahre Haft in israelischen Gefängnissen verbüßt, berichteten israelischen Medien. Auch der älteste Häftling, der 78 Jahre alte Sami Juni, soll freikommen.

Die Veröffentlichung der Liste hat in Israel bereits Proteste ausgelöst. Die Regierung habe die von ihr selbst gesetzten roten Linien überschritten, kommentierte die Tageszeitung «Haaretz» am Freitag. Unter anderem würden die Hintermänner eines Selbstmordanschlages auf eine Pizzeria in Jerusalem freigelassen. Bei dem Anschlag waren im August 2001 15 Menschen getötet und 130 weitere verletzt worden.

Eine israelische Organisation, die Hinterbliebene von Terroropfern betreut, will vor dem obersten Gericht in Jerusalem Einspruch gegen die Freilassung einlegen. Wie das israelische Internetportal ynet.news am Freitag weiter berichtete, wollen die Kläger erreichen, dass der Austausch verschoben wird.

Israel will die Liste mit den Namen der freizulassenden Palästinenser erst am Samstagabend oder Sonntag veröffentlichen. Danach haben Israelis 48 Stunden Zeit, Einspruch vor dem obersten Gericht in Jerusalem einzulegen.

Ein palästinensisches Kommando unter Führung der Hamas hatte am 25. Juni 2006 Schalit von israelischem Boden aus in den Gazastreifen verschleppt. In israelischen Gefängnissen sitzen nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Betselem 5204 Palästinenser in Gefängnissen, die in Terroranschläge verwickelt oder von Israels als Sicherheitsbedrohung eingestuft worden waren.

Konflikte / Nahost
14.10.2011 · 15:58 Uhr
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