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Gbagbo festgenommen - Machtkampf in Elfenbeinküste zu Ende

Nach monatelangem Widerstand wurde der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo nun in seiner Residenz festgenommen.Großansicht

Abidjan/Paris/New York (dpa) - Der blutige Machtkampf in Elfenbeinküste ist vorbei. Nach monatelangem Widerstand wurde der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo am Montag in seiner belagerten Residenz in Abidjan festgenommen und ins Hauptquartier seines Widersachers Alassane Ouattara gebracht.

Die Nachricht wurde von vielen Bürgern der vom Bürgerkrieg gebeutelten Millionenstadt mit Jubel und Erleichterung aufgenommen. Auch International wurde die Festnahme begrüßt. Regierungen in aller Welt sagten dem als rechtmäßigen Präsidenten anerkannten Ouattara Unterstützung zu.

In einer kurzen Fernsehansprache forderte Gbagbo seine Anhänger am Abend auf, die Waffen niederzulegen. «Lasst uns das Kämpfen beenden, damit das Land schnell zur Normalität zurückkehrt», sagte er in dem von Ouattara-Treuen betriebenen Fernsehsender TCI.

Gbagbo hatte sich am Montagnachmittag in seiner Residenz ergeben, die von französischen Soldaten und den Republikanischen Truppen Ouattaras umstellt war. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich wies jede Beteiligung an der Festnahme von sich. «Zu keinem Augenblick sind die französischen Soldaten in den Park oder die Residenz des Präsidenten eingedrungen», hieß es. Angeblich hatten Ouattaras Republikanische Truppen (FRCI) Gbagbo abgeführt.

Gbagbo «ist mit seiner Familie und einigen Kollaborateuren hier», sagte Ouattaras Sprecher Patrick Achi aus dem Golf Hotel in Abidjan, wo der Wahlsieger Ouattara sein Hauptquartier hat. «Ich habe das Vergnügen, Ihnen die Festnahme von Monsieur Gbagbo bekanntzugeben. Er lebt und ist wohlauf», sagte Ouattaras UN-Botschafter Youssoufou Bamba am Rande der UN-Sicherheitsratssitzung in New York. Auch er betonte, dass ivorische Soldaten Gbagbo festgenommen hätten. «Berichte, nach denen es französische Truppen waren, sind falsch.»

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton begrüßte die Festnahme als «kritischen Schritt» in der Lösung der seit nahezu fünf Monaten andauernden Krise in der Elfenbeinküste. Die Europäische Union habe bereits Sanktionen auf ivorische Exportgüter aufgehoben. Für die Zukunft kündigte Ashton eine langfristige Unterstützung der EU beim Wiederaufbau des Landes an.

Auch die USA sagten Hilfe zu. «Wir freuen uns darauf, mit Präsident Ouattara zu arbeiten, während er seine Pläne für Aussöhnung, wirtschaftliche Entwicklung und Erholung umsetzt», sagte US-Außenministerin Hillary Clinton am Montag in Washington.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte ebenfalls Gbagbos Festnahme. «Das lässt uns hoffen, dass der Bürgerkrieg jetzt ein schnelles Ende findet», sagte er am Montag in Berlin. Das Land habe jetzt eine echte Chance für einen friedlichen und demokratischen Neuanfang. Deutschland sei dabei zu Unterstützung bereit.

Der britische Außenminister William Hague forderte einen fairen Prozess für Gbagbo. Der habe zwar «gegen demokratische Prinzipien» verstoßen, müsse «aber mit Respekt behandelt werden», sagte Hague am Montag. Großbritannien hoffe, dass die Ivorer nun einen demokratischen und friedlichen Weg in die Zukunft finde.

Nach Gbagbos Festnahme brachen viele Menschen in Abidjan in Freudentaumel aus. Bürger, die sich aus Angst vor den Kämpfen seit Tagen in ihren Wohnungen verbarrikadiert hatten, eilten jubelnd auf die Straße. Die Bevölkerung der Millionenmetropole hatte zunehmend unter Gewalt und Versorgungsengpässen gelitten.

Doch in Stadtteilen, die als Gbagbo-Hochburgen gelten, wagten Ouattaras Anhänger nicht zu jubeln. Viele fürchteten, dass Gbagbos Truppen den Widerstand nicht so schnell aufgeben könnten. In den vergangenen Wochen war es auch zu ethnisch motivierten Massakern gekommen und eine Million Menschen war vor den Kämpfen geflohen. Furcht und Hass sitzen tief.

In der Residenz Gbagbos feierten die Truppen von Ouattara nach Augenzeugenberichten ausgelassen ihren Sieg. Soldaten hätten aus Kristallgläsern teuren Champagner getrunken, berichtete der Sonderkorrespondent der französischen Tageszeitung «Le Monde», Jean-Philippe Rémy, aus dem Gebäude. Es habe aber auch Plünderungen gegeben.

Nach Angaben von Rémy rauchte der Stuhl, auf dem Gbagbo oft Interviews gegeben habe, noch vor sich hin. Die Angriffe der UN-Truppen und der Ouattara-Anhänger hätten das Gebäude stark beschädigt und die Bibliothek in Flammen aufgehen lassen.

In der Nacht zum Montag waren französische Soldaten zusammen mit UN-Soldaten und mit gepanzerten Fahrzeugen gegen die Residenz Gbagbos vorgestoßen. Dort hatte sich Gbagbo mit schwer bewaffneten Milizen verschanzt. Auch in anderen Stadtteilen der Hafenstadt Abidjan war französisches Militär auf dem Vormarsch, um Gbagbos Kämpfer aufzuhalten, die am Wochenende neue Gebiete zurückerobert hatten.

Der französische Verteidigungsminister Gérard Longuet betonte am Montagabend, dass er die zusätzlich nach Elfenbeinküste geschickten französischen Soldaten so schnell wie möglich wieder abziehen wolle. Er hoffe, dass die Sicherheitslage im Land dies schnell zulassen werde. Frankreich hatte vor der Krise rund 980 Soldaten in dem afrikanischen Staat, die sich vor allem um den Schutz der französischen Landsleute kümmerten. Im Zuge des blutigen Machtkampfes zwischen Gbagbo und Ouattara wurde die Zahl auf 1700 aufgestockt.

Ouattara war im November vergangenen Jahres als Sieger aus der Stichwahl um die Präsidentschaft des westafrikanischen Landes hervorgegangen. Gbagbo weigerte sich seitdem, seinen Platz zu räumen.

Konflikte / Elfenbeinküste
11.04.2011 · 22:24 Uhr
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