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Gauck-Wahl - Wie cool ist Norbert Lammert?

Der Abgang von Christian Wullff war würdelos. Nun steht Joachim Gauck zur Wahl und gilt vielen als Hoffnungsträger. ln dieser Situation die richtigen Worte zu finden – das ist nicht leicht.

«Der Ton macht die Musik, auch in der Politik», sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) auf seiner Homepage. Den richtigen Ton angeschlagen hat er. Locker, aber bestimmt führte er durch die Wahl. Launig und gleichzeitig mahnend war seine Rede.

«Der Bundespräsident wird für fünf Jahre gewählt», sagt Lammert gleich zu Beginn der Bundesversammlung. Nachdem Horst Köhler und Christian Wulff diese Marke nicht erreicht haben, hat er damit schon die ersten Lacher auf seiner Seite. Gleichzeitig ist dieser lapidare Satz eine fein-ironische Kritik - typisch für Lammert. Auch danach macht er immer wieder Witzchen, genießt die Heiterkeit im Plenarsaal des Bundestags und reagiert schlagfertig auf Zwischenrufe. 

«Schwimmen Sie nicht so weit raus», mahnt er die Wahlleute, als sie sich die Zeit zwischen Abgabe der Stimme und Bekanntgabe des Ergebnisses vertreiben wollen. Als die dritte Bundesversammlung innerhalb von drei Jahren dann zu Ende geht, lobt er den reibungslosen Ablauf: «Wir haben da inzwischen eine besondere Übung, das ist wahr.» Schließlich entlässt er die Wahlleute augenzwinkernd in den gemütlichen Teil des Tages, erneut mit einer Anspielung auf die letzte Wahl: «Das Buffet ist nicht notwendigerweise besser, aber in jedem Fall frischer als nach drei Wahlgängen.»

Man merkt: Lammert genießt seinen Job, und er hat Spaß daran, diesmal ein so großes Publikum zu haben. Der Mann mit Glatze und Brille macht selten so von sich reden wie an diesem Nachmittag. Lob ernet er auch über Twitter: «Lammert überragend», findet JoSteiniger. «Wann geht Norbert Lammert auf Tour und wo kann man Karten kaufen?», fragt einsunterpar. Doreen Klepzig sagt: Norbert Lammert fand ich übrigens am unterhaltsamsten heute. Eine wirklich angenehme ironische Moderation der BuPräsWahl.»

Humor gehört dazu

Soviel Rummel um Norbert Lammert ist ungewöhnlich. Der bekennende Bochumer, gibt sich das Image des Bescheidenen. «Vielen Dank für Ihr Interesse – schließlich gibt es im Internet jede Menge anderer interessanter Leute», begrüßt er die Besucher auf seiner Homepage.

Der Bäckersohn entsammt einer Großfamilie, ist 1948 als ältestes von sieben Kindern geboren, selbst hat er vier. «Meine Familie ist mir wichtig - auch deshalb, weil zumindest sie bestimmte Politiker sympathisch findet», sagt er. Wichtig ist ihm auch die Kunst, die Kultur.

Er gibt einen unverstellten Blick auf die Politik: «Der Deutsche Bundestag ist weder ohnmächtig, noch allmächtig. Ich finde das eine ebenso beruhigend wie das andere.»

Humor gehört zu ihm: «Mein politisches Interesse ist früh im Elternhaus und in der Schule entstanden. Als Berufsentscheidung hat es sich erst durchgesetzt, nachdem ich einsehen musste, dass meine Begeisterung für Musik und Fußball als Grundlage für einen Beruf vermutlich nicht ausreichen würde.»

Richtig scheint die Entscheidung gewesen zu sein.

Das zweithöchste Staatsamt hat Lammert bereits inne. Mit seinem Auftritt bei der Bundespräsidentenwahl macht er sich zum Überraschungssieger für das Volk.

[news.de] · 19.03.2012 · 13:28 Uhr
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