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Gauck-Unterstützer: online top, offline ein Flop

Gauck-Demo in MünchenGroßansicht
Hamburg (dpa) - Im Internet ist der Kampf um Schloss Bellevue bereits entschieden. Der Sieger heißt Joachim Gauck. Mehr als 32 000 Facebook-Nutzer unterstützen den Kandidaten von SPD und Grünen für das Amt des Bundespräsidenten.

Das sind zehnmal so viele Anhänger wie für Christian Wulff, der von Union und FDP ins Rennen geschickt wird. Dessen Facebook-Profil ist bisher nur gut 3200-mal verlinkt. Doch im wirklichen Leben sehen die Kräfteverhältnisse ganz anders aus, und das gilt nicht nur für die Verteilung der Stimmen in der Bundesversammlung.

München am Donnerstagabend: Ein paar Dutzend Anhänger von Joachim Gauck haben sich in der Innenstadt am Stachus eingefunden. Sie wollen die Unterstützungswelle aus dem Internet ins echte Leben überschwappen lassen. So recht will das aber nicht gelingen - ursprünglich war mit Hunderten Teilnehmern gerechnet worden. Diejenigen, die gekommen sind, stehen jetzt im Regen.

Es ist leichter, auf den «Beitreten»-Button einer Facebook-Gruppe zu klicken als mit Schildern und Transparenten auf die Straße zu gehen. Verpufft die Kampagne der Unterstützer also im Internet, ohne in der realen Welt Spuren zu hinterlassen?

«Ich will mir das jetzt nicht kleinreden lassen», sagt Christoph Giesa, der zu den Initiatoren der Münchner Kundgebung gehört. Auf ihn geht auch die Facebook-Gruppe «Joachim Gauck als Bundespräsident» zurück. Giesa macht vor allem das Regenwetter für die maue Beteiligung an der Aktion verantwortlich. «Sonst hätten wir in München ein paar hundert Leute gehabt», meint er.

Giesa bleibt dabei: Es sei bemerkenswert, innerhalb kürzester Zeit mehr als 32 000 Facebook-Nutzer für die eigene Sache gewonnen zu haben. Dass davon nur ein kleiner Teil für Aktionen auf der Straße zu mobilisieren ist, sei zu erwarten gewesen. «Leute auf die Straße zu bringen, ist insgesamt schwer in Deutschland», sagt Giesa.

Und er muss wissen, wovon er spricht, denn Giesa war jahrelang in der Parteipolitik aktiv - ausgerechnet bei der FDP, die eigentlich Wulff unterstützen sollte. Bei der Europawahl 2004 war Giesa rheinland-pfälzischer Spitzenkandidat der Liberalen. Inzwischen ist der 29-Jährige einfaches FDP-Mitglied; derzeit schreibt er an einer Doktorarbeit zum Thema Tarifpolitik.

In den nächsten zwei Wochen wird Giesa dazu aber kaum kommen. Er will sich bis zur Präsidentenwahl am 30. Juni für Gauck starkmachen. Dass der aufgrund der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung in der Außenseiterrolle ist, weiß Giesa natürlich. Viele Wahlmänner und Wahlfrauen von Union und FDP unterstützten «im Herzen» aber Gauck. Und diesen Delegierten will Giesa eine Brücke bauen, wie er es selbst formuliert.

Die Unterstützung aus dem Netz geht an Joachim Gauck nicht vorbei. Er sei immer noch «total überrascht» davon, sagt der 70-Jährige in einer Videobotschaft auf seiner Homepage. Die eigentliche Überraschung wäre es aber wohl, wenn die Sympathiewelle aus dem Internet die Straße erreicht. Dort präsentiert sich die Idee der Facebook-Nutzer aber bisher eher als Flop. 

Facebook-Gruppe Gauck: http://dpaq.de/0dq8C

Facebook-Profil Wulff: http://dpaq.de/4keSh

Videobotschaft Gauck: http://dpaq.de/2eNFm

Bundespräsident / Internet
18.06.2010 · 14:52 Uhr
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