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Gaddafi-Verleger: «Einblick in ein ganz anderes Denken»

Deutscher Gaddafi-Verleger FarinGroßansicht

München (dpa) - Wer sich auf Deutsch in die zahlreichen Schriften des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi einlesen will, der landet beim kleinen Münchner Belleville-Verlag.

Der Germanist und Autor Michael Farin veröffentlicht dort seit 1982 Bücher, die er «selbst gerne lesen würde», unter anderem zu Filmgeschichte, Psychologie oder Kriminalwissenschaft. Auch drei deutsche Gaddafi-Übersetzungen sind darunter: Zwei politische Essaywerke - die auch den kompletten Text von Gaddafis Werk «Das Grüne Buch» enthalten - und ein Band mit Erzählungen. Zu lesen als spannende Psychogramme eines Mannes, der sich zu inszenieren weiß, sagt Verleger Michael Farin im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Wie kamen es dazu, dass Sie drei Bücher des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi in Ihrem Verlag herausgegeben haben?

Farin: «Im Winter 1996/97 erzählte man mir bei einer Offroad-Fahrt durch Libyen von Gaddafis 1993 erschienenem Buch 'Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde und der Selbstmord des Astronauten'. Der Titel machte mich neugierig. Es war allerdings nicht so leicht, ein Exemplar des Buches zu erhalten. Hilfreich war, dass 1996 beim französischen Verlag Favre eine Übersetzung publiziert worden war. Dieser Band enthielt auch die Essays, die ich dann unter dem Titel 'Illegale Publikation' veröffentlicht habe. Der Band 'Vision' ist die deutsche Ausgabe einer 2004 in einem französischen Verlag edierten Sammlung von politischen Texten einschließlich des kompletten Textes des 'Grünen Buches'. Die Ausgaben sind Lizenzen der französischen Verlage. Ein persönlicher Kontakt mit dem Autor wurde von mir nicht gesucht.»

Wie beurteilen Sie die literarische Qualität der Werke?

Farin: «Es ging mir vor allem darum, in deutscher Sprache Texte bereitzustellen, die einen aufregenden Blick in das Denken eines Mannes ermöglichen, von dem man in den Medien zumeist nur Kurioses und Spektakuläres berichtet hatte. Es ist eine sehr authentische Sprache von Gaddafi. Die Texte sind sehr nahe an seinem Denken, auch wenn sie uns fremd anmuten. Zum Teil sind die Texte aber auch so interessant zu lesen, denn sie geben Einblick in ein ganz anderes Denken auf einem anderen Kontinent - viel blumiger und farbiger.»

Planen Sie weitere Bücher von Gaddafi herauszugeben?

Farin: «Nein, 2009 ist dieses Projekt beendet worden. Es gibt zwar von früher noch eins von ihm, das ist auch in Frankreich erschienen. Aber diese drei, die ich veröffentlicht habe, das waren die entscheidenden Bücher, die alles über ihn aussagen. Und im Moment hat er ganz andere Sorgen, als neue Bücher zu schreiben.»

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Belleville Verlag
Literatur / Konflikte / Libyen
25.03.2011 · 23:05 Uhr
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