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Gaddafi setzt im Kampf gegen Protestler auf Familie

Pro-Gaddafi-Demonstration in TripoliGroßansicht

Tripolis/Istanbul (dpa) - Der von Oppositionellen bedrängte libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi verlässt sich bei der Bekämpfung des Aufstandes vor allem auf seine Familie.

Nach einem Tag blutiger Unruhen in der Stadt Bengasi hieß es am Freitag, Gaddafi werde seinen Sohn Al-Saadi ins Zentrum des Aufstandes schicken. Die libysche Zeitung «Al-Watan» meldete, Al-Saadi al-Gaddafi (37), der international bisher vor allem als Spieler bei italienischen Fußballvereinen aufgefallen war, wolle in Bengasi einen Aktionsplan zur Verbesserung der Infrastruktur umsetzen.

Medien der Opposition berichteten, in der Stadt Al-Baidha habe die Armee-Brigade von Gaddafis Sohn Chamies am Donnerstag damit begonnen, die Demonstranten zu vertreiben. Diese Brigade, der auch Afrikaner aus anderen Ländern angehören sollen, ist laut einer Depesche der US-Botschaft vom Dezember 2009 die am besten ausgebildete und ausgerüstete Einheit der libyschen Streitkräfte. In Al-Baidha sollen seit Donnerstag nach unbestätigten Augenzeugenberichten mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter auch mehrere Soldaten. Die Zahl der Toten in Bengasi wurde mit 10 bis 14 angegeben.

Auf Amateurvideos, die von Demonstranten ins Netz gestellt wurden, waren mehrere Leichen junger Männer zu sehen. Andere Aufnahmen zeigten Hunderte Demonstranten, die in der Mittelmeerstadt Tobruk ein Denkmal für das von Gaddafi verfasste «Grüne Buch» niederrissen, in dem der Revolutionsführer einst sein politisches Programm formuliert hatte.

Oberst Gaddafi ließ sich in der Nacht zum Freitag von Anhängern in Tripolis feiern. Auf dem zentralen Grünen Platz nahm er gegen 3.00 Uhr ein kurzes Bad in der Menge. Eine Rede vor den Demonstranten hielt er nicht. In mehreren libyschen Städten waren Gaddafi-Gegner am Donnerstag einem Aufruf zu einem «Tag des Zorns» gefolgt. Sie zerstörten die in Libyen allgegenwärtigen Bilder des seit 1969 amtierenden Staatschefs.

In den von Gaddafis Sohn Seif al-Din al-Gaddafi gegründeten semi-unabhängigen Medien wurde am Freitag zumindest eingeschränkt über die Proteste berichtet. Die Zeitung «Qurina» meldete, in Bengasi seien am Donnerstagabend sieben Zivilisten getötet worden, nachdem Demonstranten mehrere öffentliche Gebäude beschädigt hätten. Die Zeitung ließ auch einen Anwalt zu Wort kommen, der zusammen mit anderen Anwälten vor einem Justizgebäude in Bengasi gegen Korruption und für politische Reformen demonstriert hatte. Dieser sagte nach Angaben des Blattes: «Wir haben das Recht, unsere Meinung zu äußern, schließlich leben wir doch in einem Land, in dem alle Macht vom Volke ausgehen soll.» Die Staatsmedien berichteten nur über die Pro-Gaddafi-Kundgebungen der vergangenen Tage.

Unruhen / Libyen
18.02.2011 · 15:36 Uhr
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