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Fünf Jahre nach Attentat: Gedenken an Hariri

Zahlreiche Menschen gedenken in Beirut des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri.Großansicht
Beirut/Istanbul (dpa) - Tausende Menschen haben am Sonntag in Beirut des vor fünf Jahren ermordeten früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri gedacht.

Zu der Kundgebung unter erheblichen Sicherheitsvorkehren hatte unter anderem der jetzige Regierungschef Saad Hariri, ein Sohn des Getöteten, aufgerufen. Tausende Menschen schwenkten auf den Straßen Fahnen. Zur Uhrzeit des Bombenattentats läuteten die Glocken in den Kirchen der Hauptstadt und Koranverse wurden über Lautsprecher vorgetragen.

Viele der Anhänger des sunnitischen Politikers Rafik Hariri, der am 14. Februar 2005 durch eine Autobombe ums Leben kam, sind enttäuscht, dass der Mord immer noch nicht aufgeklärt wurde. Ein mit dem Fall befasstes UN-Tribunal hat bisher noch keine Anklage erhoben. Saad Hariri sagte vor der Menge: «Fünf Jahre sind vergangen, und wir versammeln uns hier noch immer, um Wahrheit und Gerechtigkeit einzufordern, sowie das Internationale Tribunal, auf dass nicht die Rache obsiege und das Morden aufhöre.» Er schwor den Mördern seines Vaters, sie würden vor Gericht gebracht.

In einem Gespräch mit dem britischen Sender BBC hatte Saad Hariri die Arbeit der Ermittler verteidigt. Die Aufklärung brauche einfach Zeit. Wer aber denke, dass es am Ende keine Gerechtigkeit geben werde, der irre sich. Die Ermittlungen hatte anfänglich der Berliner Staatsanwalt Detlev Nehlis geleitet. Hariri verteidigte auch seine langsame Wiederannäherung an die einstige Schutzmacht Syrien. Gute Beziehungen zu dem Nachbarland seien wichtig. Hariri hatte erst im vergangenen Dezember Syrien besucht, um die Beziehungen beider Länder zu entspannen.

Kurz nach dem Sprengstoffanschlag waren syrische Funktionäre ins Visier der Fahnder geraten. Nach massiven Protesten der Opposition stürzte erst die pro-syrische Regierung im Libanon. Später musste sich auch das syrische Militär nach 29 Jahren aus dem Libanon zurückziehen. Saad Hariri führt heute im Libanon eine Einheitsregierung, die auch die pro-syrische Hisbollah miteinbezieht.

Die Ermordung seines Vaters hatte den Libanon an den Rand eines Bürgerkriegs geführt. In der Regierungszeit von Ministerpräsident Fuad Siniora war es wiederholt zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der pro-westlichen Regierung und der Hisbollah gekommen. Erst 2008 gelang es schließlich, eine Regierung der Nationalen Einheit zu schmieden, an der unter anderem auch Drusen und Christen beteiligt sind.

Konflikte / Libanon
14.02.2010 · 15:29 Uhr
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