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Früherer Verteidigungsminister Hans Apel tot

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Berlin (dpa) - Der frühere SPD-Politiker Hans Apel ist tot. Wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Bundestag mitteilte, starb der gebürtige Hamburger im Alter von 79 Jahren in seiner Heimatstadt.

Seine Ehefrau Ingrid sagte «Spiegel online», ihr Mann sei nach zweijähriger Krankheit am Dienstagmorgen in einer Hamburger Klinik im Kreis seiner Familie gestorben. «Es war ein friedlicher Moment, er ist einfach eingeschlafen», sagte Ingrid Apel.

Apel war von 1978 bis 1982 Verteidigungsminister unter Kanzler Helmut Schmidt, von 1974 bis 1978 amtierte er als Finanzminister. 1990 schied der SPD-Politiker nach 25 Jahren aus dem Bundestag aus.

«Hans Apel hat in allen seinen Funktionen und Ämtern für die Sozialdemokratie und unser Land Hervorragendes geleistet und die sozialdemokratische Regierungszeit an herausragender Stelle mitgeprägt», erklärte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. «Hans Apel hat an hervorragender Stelle mitgeholfen, unser Land wirtschaftlich stark, sozial gerecht und lebenswert zu gestalten.» Die SPD trauere mit Apels Familie um einen großen Sozialdemokraten.

In einer Erklärung de Maizières hieß es, Apel habe einen großen Dienst für Deutschland und für die Bundeswehr geleistet. «Er wird uns allen als zupackender Hanseat mit großem Herz in Erinnerung bleiben.»

Bundestagspräsident Norbert Lammert nannte Apel einen «herausragenden Politiker und leidenschaftlichen Parlamentarier». «Apel hat 25 Jahre als Mitglied des Deutschen Bundestages wie auch als Bundesfinanzminister und als Bundesverteidigungsminister maßgeblich an wichtigen Weichenstellungen in der Geschichte der Bundesrepublik mitgewirkt», hieß es in einer Erklärung Lammerts.

Hamburgs Bürgermeister und SPD-Chef Olaf Scholz würdigte Apel als verantwortungsbewussten Politiker: «Er hat in sehr schwierigen politischen Zeiten Verantwortung übernommen. Das zeichnete ihn aus», so Scholz. «Hans Apel war engagiert, kritisch und zuweilen unbequem - dem politischen Gegner gegenüber genau so, wie seiner Partei, der SPD.»

Apel war in die innerparteiliche Schusslinie geraten, als er den Nachrüstungsbeschluss der NATO Anfang der 80er Jahre verteidigte. Mit dem Ende der sozialliberalen Koalition 1982 endete auch seine Minister-Amtszeit. Zeitweise wurde er sogar als «Kronprinz» von Helmut Schmidt gehandelt. 1985 trat Apel als Berliner SPD-Spitzenkandidat an, unterlag aber gegen Eberhard Diepgen (CDU).

Innerparteilich gehörte Apel - seit 1970 Mitglied des SPD-Bundesvorstandes - stets zum eher rechten Flügel der SPD. Nach der Ära Schmidt wuchs ihm auch die Rolle eines Sprechers der rechten «Kanalarbeiter» in der Bundestagsfraktion zu. 1988 wurde Apel nicht wieder in den Parteivorstand gewählt - enttäuscht verzichtete er auf sämtliche Parteiämter. Das hinderte den einstigen Spitzenpolitiker nicht daran, kräftige Rundumschläge an die Politiker, auch der eigenen Partei, zu verteilen. In seinem Buch «Die deformierte Demokratie» rechnete Apel 1991 mit Parteienherrschaft und -klüngel ab. In seinem Buch «Der kranke Koloß» nahm er 1994 die damalige Europäische Gemeinschaft als «eine teure Illusion» ins Visier.

Zuletzt blickte er in seinen Lebenserinnerungen «Hans, mach du das!» zurück. «Ich wollte noch mal Bilanz ziehen. Das sollte aber keine Selbstverherrlichung werden. Ich wollte zeigen, dass es Spaß macht, blöd zu sein», sagte er dem «Hamburger Abendblatt» im Dezember 2010 dazu. «Und dass es noch mehr Spaß macht, zu zeigen, wie man aus den selbst gebastelten Fallen wieder herauskommt.»

Parteien / SPD / Apel
07.09.2011 · 19:19 Uhr
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