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Früherer US-Präsident Bill Clinton würdigt Helmut Kohls Lebenswerk

Berlin (dts) - Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat die Verdienste von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) um die deutsche Einheit, die deutsch-amerikanischen Beziehungen und das Zusammenwachsen Europas gewürdigt. Aus Anlass der Verleihung des Henry Kissinger-Preises an Kohl heute in Berlin sagte Clinton in einem Interview der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe): Er glaube, dass Kohl "die wichtigste politische Persönlichkeit Europas zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Jahrtausendwende ist." Als Bundeskanzler habe er "nicht nur Deutschland, sondern Europa auf das 21. Jahrhundert vorbereitet."

Kohls Bedeutung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen sei "entscheidend" gewesen. Clinton wies in dem Interview auf zahlreiche zunächst offene Fragen im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung Deutschlands und den Beziehungen zu Russland hin. Als Beispiele nannte er unter anderem die Rolle Deutschlands in der Nato und die wirtschaftliche Hilfe für die kollabierende Sowjetunion. Der frühere US-Präsident wörtlich: "Wenn Deutschland einen anderen Kanzler gehabt und der auch nur eine dieser Fragen anders beantwortet hätte - würde Europa wahrscheinlich mehr Probleme haben, als es jetzt schon mit den Nachwirkungen der Finanzkrise der Fall ist." Mit Blick auf die Euro-Krise verteidigte Clinton zugleich das Eintreten Kohls für die Währungsunion: "Jeder war sich der Nachteile bewusst, das glaube ich zumindest, eine Wirtschaftsunion einzugehen, ohne einen gewissen Grad an politischer Einheit erreicht zu haben - dass also der Euro für die ärmeren Staaten zu einem echten Problem werden könnte, wenn etwas Schlimmes passiert. Aber die perfekte Lösung gibt es bei solch großen Fragen nicht, und Helmut Kohl hatte recht. Er wollte die Nato erhalten, Polen, Ungarn und die Tschechen in das Bündnis aufnehmen - und in die EU. Nicht so sehr weil er Russland fürchtete, sondern weil er eine Partnerschaft mit Russland anstrebte." Clinton betonte: Er, Kohl, "wollte, dass Deutschland in der Mitte Europas wahrgenommen wird, nicht an den Rändern, wo es Russland und die anderen europäischen Staaten gegeneinander ausspielen könnte." Ungeachtet dessen habe der Altkanzler Deutschland aber auch als größte und erfolgreichste Wirtschaftskraft Europas erhalten wollen, die aber "niemals wieder politisch alle anderen dominieren würde." Kohl habe "immer jede Form von Neo-Imperialismus abgelehnt", unterstrich der frühere US-Präsident in dem "Bild"-Interview. Clinton erinnerte an die Zeit des politischen und wirtschaftlichen Umbruchs in der ehemaligen Sowjetunion und lobte Kohls Geradlinigkeit trotz starker Vorbehalte in der amerikanischen Bevölkerung für das damals von Clinton geschnürte 24 Milliarden-Dollar-Hilfspaket für Russland: "Ich musste mir nie Sorgen machen, dass Helmut Kohl seine Haltung ändert. Ich wusste, dass er immer da sein würde. Und dass wir gemeinsam eine Chance hatten, Russland durch diese Krise zu bringen - ohne eine Rückkehr zum Kommunismus oder zum Imperialismus. Ich wusste, wir können es schaffen. Und, dass es sehr wichtig für uns Amerikaner wäre, wenn es gelänge. Es gibt eben Menschen, denen man traut. Die beständig sind und auf die man sich verlassen kann. Die Dich, wenn sie ihre Haltung ändern müssen, vorher anrufen und alles mit dir durchgehen, so dass keiner in Verlegenheit kommt. So ein Mensch ist Helmut Kohl. Ein Fels. Das spürte man schon nach wenigen Minuten, die man mit ihm verbracht hat." Im Rückblick auf die schwierigen politischen Prozesse in den frühen neunziger Jahren stellte der ehemalige US-Präsident fest: "Jeder hat vergessen, dass das alles eben nicht selbstverständlich war." Dies betreffe sowohl die Wiedervereinigung Deutschlands wie die spätere Aufnahme Polens, Ungarns und Tschechiens in die Nato. Clinton wörtlich: "Helmut Kohl hatte bei allen großen Fragen recht - in einer Weise, die es fast leicht aussehen ließ. Denn er war groß, stark und selbstbewusst." Dies könne allerdings für einen Politiker manchmal "zum Problem werden: Wenn man Dinge leicht aussehen lässt, die schwierig sind, erhält man nicht die Anerkennung, die man verdient", meinte Clinton.
DEU / USA / Weltpolitik / Leute
16.05.2011 · 00:15 Uhr
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