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Freude und Sorge über Atomkraftwerk in Buschehr

Presse vor dem Atomkraftwerk BuschehrGroßansicht

Buschehr, Iran (dpa) - Die kleine Hafenstadt Buschehr am Persischen Golf in Südiran blickt mit Freude, aber auch mit Sorge auf die Eröffnung des ersten iranischen Atomkraftwerks.

Einerseits erwarten die weniger als 170 000 Einwohner einen wirtschaftlichen Auftrieb, andererseits sind sie besorgt, was bei einem möglichen Angriff auf das Kraftwerk passieren könnte.

«Ich bin Taxifahrer und eins ist klar: demnächst will jeder, der in Buschehr ankommt, zur Anlage und das ist gut so», sagt Touradsch. Auch im Hotelgeschäft und in der Gastronomie erwartet man höhere Umsätze, sobald die Anlage betriebsbereit ist. Aber es gibt auch viele besorgte Menschen. «Man hört ja immer, dass die Israelis angreifen könnten. Das macht uns sehr viel Angst», sagt die 36- jährige Hausfrau Fattaneh, deren Haus in der Nähe der Anlage liegt. «Wir verbringen viele schlaflose Nächte aus Angst vor einem Angriff und der Katastrophe danach», sagt ihre Nachbarin Fahmieh. «Solange all die Reporter hier sind, wird wohl nichts passieren», fügt sie hinzu.

Der Iran hat sowohl Israel als auch die USA vor «Dummheiten» gewarnt. Der oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, sagte, dass die Reaktion des Irans «nicht nur auf unsere Region (den Persischen Golf) beschränkt sein wird, sondern sehr viel weiter reichen würde.» Laut Teheran wäre jeglicher Angriff gegen eine aktive Nuklearanlage ein internationales Verbrechen, dass weltweit Konsequenzen nach sich ziehen würde.

Die Anlage selbst wird zwar am Samstag zwar eröffnet, aber die Inbetriebnahme wird noch eine Weile dauern. Laut Atomchef Ali Akbar Salehi müssen die von Russland gelieferten 82 Tonnen Brennstäbe erst von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) entsiegelt werden. Dann kommen sie in ein «Brennstoffbecken» in eine Halle, die unter IAEA-Aufsicht steht. Erst im November soll das Kraftwerk ans Netz gehen, dann wird es noch sechs bis sieben Monate dauern, bis die volle Leistung von 1000 Megawatt erreicht werden kann.

Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA bezeichnet das Kraftwerk in Buschehr als weltweit einzigartig. Nicht nur hat der Bau keines anderen Atommeilers drei Jahrzehnte lang gedauert, sondern ist Buschehr auch das erste Werk mit sowohl westlicher als auch östlicher Technologie. Mir dem Segen der USA wurde Buschehr zunächst in den 1970er Jahren von der deutschen Kraftwerk Union AG (Siemens) gebaut. Nach der islamischen Revolution von 1979 zog sich Deutschland aus politischen Gründen zurück. 1995 einigte sich der Iran mit dem russischen Atomkonzern Rosatom den Bau des Werks fortzusetzen.

Der Westen ist zwar mit dem Akw in Buschehr definitiv nicht einverstanden, toleriert das Projekt jedoch wegen der Zusammenarbeit mit den Russen - und weil Moskau in den kommenden zehn Jahren auch die verbrauchten Brennstäbe entsorgt. Für den Iran ist die Eröffnung ein politischer Sieg. Obwohl das Land an dem Bau nicht direkt beteiligt war, ist der Iran stolz, trotz des internationalen Drucks, trotz der UN-Resolutionen und Sanktionen, nun ein Kernkraftwerk auf eigenem Boden zu haben.

Atom / Konflikte / Iran / Russland
22.08.2010 · 08:41 Uhr
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