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Freitags-Demos für Reformen in der arabischen Welt

Stürmischer Empfang für den neuen ägyptischen Interims-Regierungschef Essam Scharaf auf dem Tahrir-Platz.Großansicht

Kairo/Bagdad/Amman/Sanaa (dpa) - Nach dem traditionellen Mittagsgebet am Freitag haben die Menschen in mehreren arabischen Ländern erneut für politische Reformen demonstriert.

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo bereiteten zehntausende Demonstranten dem neuen ägyptischen Interims-Regierungschef Essam Scharaf einen stürmischen Empfang. Im Irak gingen die Sicherheitskräfte zum Teil mit Gewalt gegen Proteste vor. Im Jemen tötete das Militär sogar zwei Demonstranten, die gegen die Korruption auf die Straße gegangen waren.

Der am Donnerstag ernannte neue ägyptische Interimspremier Scharaf wurde von der Menge auf dem Tahrir-Platz in Kairo gefeiert. «Ich habe meine Legitimität von euch!», rief Scharaf ins Mikrofon. Sichtlich bewegt sagte er zu den Menschen: «Es gibt keinen anderen Ort, aus dem man diese Entschlossenheit und Willenskraft schöpfen kann.»

Seine erste Ansprache im symbolischen Zentrum des Aufstands gegen das Regime von Präsident Husni Mubarak wurde immer wieder unterbrochen. Teils ließ ihn die Menge hochleben, teils skandierte sie ihre Forderungen. Anschließend trugen Demonstranten Scharaf auf ihren Schultern über den Platz. Andere riefen ihm zu: «Essam, Tahrir grüßt dich!» Das Kabinett bestätigte unterdessen, dass die Ägypter am 19. März über Verfassungsänderungen abstimmen sollten. Insgesamt geht es um Artikel, die bisher freie Wahlen verhindert hatten.

Tausende Menschen demonstrierten am selben Tag im Irak gegen Korruption, Misswirtschaft und die unzureichende Strom- und Wasserversorgung. In der Hauptstadt Bagdad verlief die Kundgebung friedlich - sie wurde von enormen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. In Mossul und Basra lösten die Sicherheitskräfte die Kundgebungen mit Gewalt auf. In Mossul vereitelten die Behörden außerdem einen Selbstmordanschlag. Sie konnten den Attentäter festnehmen, bevor er sich in die Menge der Demonstranten mischen und dort seine drei Sprengstoffgürtel zünden konnte.

Rund 3000 Jordanier demonstrierten am Freitag in der Hauptstadt Amman für politische Reformen. Sie trugen Transparente mit der Aufschrift «Das Volk will das Regime reformieren» und «Das Volk will die Auflösung des Parlaments». Zu der Kundgebung hatten die Islamische Aktionsfront (IAF) und die linksgerichtete Partei der Volkseinheit (PUP) aufgerufen.

Die jemenitische Armee soll am Freitag sogar Demonstranten getötet haben, die im Nordwesten des Landes gegen die Korruption protestierten. Im Bezirk Harf Sufian, im Kernland der schiitischen Houthi-Rebellen, gab es nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabija bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften zwei Tote und neun Verletzte. Von offizieller Seite hieß es, die Sicherheitskräfte hätten bewaffnete Männer am Betreten von Harf Sufian gehindert.

Vor der Universität der Hauptstadt Sanaa versammelten sich indes Zehntausende von Gegnern von Präsident Ali Abdullah Salih. Sie forderten seinen Rücktritt.

Demonstrationen / Regierung / Ägypten
04.03.2011 · 17:29 Uhr
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