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Freispruch im Prozess um tödlichen Zugspitz-Lauf

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Garmisch-Partenkirchen (dpa) - Der Veranstalter des Zugspitz-Laufes 2008 ist vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden.

Das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen sah am Dienstag keine Anhaltspunkte dafür, dass der 54-jährige Peter Krinninger den Tod von zwei Teilnehmern verursachte und sich neun Sportler bei dem Berglauf durch sein Verschulden verletzten.

Nach einem Wettersturz mit Schnee und Wind waren am 13. Juli 2008 bei dem Lauf auf Deutschlands höchsten Berg (2962 Meter) zwei Männer im Alter von 41 und 45 Jahren trotz Wiederbelebungsversuchen an Unterkühlung und Erschöpfung gestorben. Kurz vor dem Ziel waren die nur mit Shirt und kurzer Hose bekleideten Läufer aus Witten in Nordrhein-Westfalen und Ellwangen in Baden-Württemberg steifgefroren und völlig erschöpft zusammengebrochen. Der Zugspitz-Lauf über eine Höhendistanz von mehr als 2200 Metern und eine Gesamtstrecke von 16,1 Kilometern gilt als extrem schwierig.

Richter Paul Pfluger begründete den Freispruch damit, dass Krinninger die Läufer zutreffend über das Wetter auf der Zugspitze und auch über die Schneefallgrenze bis 2400 Metern informiert habe. «Die Verstorbenen und Verletzten haben sich eigenverantwortlich selbst gefährdet», sagte der Richter. Einige der Verletzten hätten sich nicht an die Regeln des Veranstalters gehalten, andere seien trotz der eisigen Kälte aus sportlichem Ehrgeiz weitergelaufen.

Prozessbeobachter werteten den glatten Freispruch als schallende Ohrfeige für die Anklagebehörde. Staatsanwältin Kristina von Ehrenstein hatte in ihrem Plädoyer den schon im Strafbefehl erhobenen Vorwurf der fahrlässigen Tötung in zwei Fällen und der fahrlässigen Körperverletzung in neun Fällen aufrechterhalten. «Je größer die Gefahr, desto größer die Aufklärungspflicht», hielt sie dem Veranstalter vor. Auch die Höhe der Geldstrafe - 13 500 Euro, die sich aus 90 Tagessätzen zu je 150 Euro zusammensetzen - wiederholte sie vor Gericht. Nach dem Freispruch ließ von Ehrenstein offen, ob die Staatsanwaltschaft Berufung einlegen wird.

Für Anwalt Stefan Beulke war Krinninger hingegen von Anfang an unschuldig. Die beiden ums Leben gekommenen Teilnehmer hätten in «eigenverantwortlicher Selbstgefährdung» gehandelt, argumentierte der Verteidiger - eine Einschätzung, der sich das Gericht voll anschloss. Es sei nicht möglich gewesen, die Ausrüstung der etwa 750 Teilnehmer am Start zu kontrollieren. «Was nützen Bekleidungskontrollen, wenn die Läufer im Verlaufe des Rennens die Kleidung ablegen», fragte der Anwalt.

Beulke verwies in seinem einstündigen Plädoyer zudem auf das Gutachten des medizinischen Sachverständigen, das Anhaltspunkte für Dopingmittel im Körper der ums Leben gekommenen Läufer gesehen hatte. Krinninger äußerte sich nach dem Freispruch erleichtert. «Allerdings habe ich immer gesagt, dass ich unschuldig bin», sagte der 54- Jährige. Er wiederholte sein Bedauern über die Geschehnisse an jenem 13. Juli. Krinninger hatte den Strafbefehl des Garmischer Amtsgerichts über 13 500 Euro nicht akzeptiert, weshalb es zum Prozess kam.

Prozesse / Kriminalität
01.12.2009 · 15:15 Uhr
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