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Frau Duffy stürzt Brown wieder in die Krise

Gillian Duffy macht Premier Brown mächtig zu schaffen.Großansicht
London (dpa) - Gillian Duffy war nur aus dem Haus gegangen, um Brot zu kaufen. Als die Rentnerin wieder zurück kam, war sie die berühmteste Frau im britischen Wahlkampf. Sie könnte sogar Premierminister Gordon Brown bei den Wahlen aus dem Amt werfen.

Warum? Duffy war auf dem Weg dem Premier begegnet. Doch nach dem Gespräch mit der treuen Labour-Wählerin hatte der über deren Penetranz gelästert. Wegen eines versehentlich noch angesteckten Mikrofons erfuhr die ganze Welt, dass der Premier hinter verschlossenen Türen über Wähler schimpft. Da Brown sowieso als Griesgram gilt und PR-Berater seit Monaten versuchen, sein Image aufzubessern, ist das wohl die bisher größte Katastrophe für den Premier.

Durch die Panne hat Browns Labour-Partei nicht nur eine Wählerin verloren, Frau Duffy. Die helle Aufregung im Wahlkampf-Endspurt zeigt, wie sehr der Premier um sein Amt zittern muss, wie ungeliebt er ist und immer war. «Das ist der schlimmste politische und persönliche Ausrutscher, den sich ein Politiker hier je erlaubt hat», sagt Charlie Beckett vom Medieninstitut Polis. «Es hätte nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen können.»

Denn Labour hatte sich zuletzt nur mühsam aus dem historischen Tief vom vergangenen Jahr herausgekämpft. Die Partei liegt in vielen Umfragen aber weiter hinter den konservativen Tories und den erstarkten Liberaldemokraten nur noch auf Platz drei. Verliert Labour, muss auch Brown gehen, da sind sich Experten einig.   

Für den 59-Jährigen wäre das ein persönliches Scheitern, denn Brown stellt sich erstmals dem Votum der Wähler. Nach zehn Jahren im Wartestand als Finanzminister war er seinem Vorgänger Tony Blair vor drei Jahren einfach nachgefolgt. Der Schotte kämpft nun nicht nur ums eigene politische Überleben, sondern auch um eine vierte Amtszeit für Labour. Aber nach den vielen Demütigungen und Putschversuche, die Brown in den vergangenen Jahren ertragen musste, käme es einem kleinen Wunder gleich, wenn Labour nach 13 Jahren erneut gewinnt.

«Gestern war gestern, jetzt will ich über die Zukunft der Wirtschaft reden», versuchte Brown die Mikrofon-Panne beiseite zu wischen. Doch dass er den Patzer bei der letzten TV-Debatte mit seinen jugendlichen Konkurrenten David Cameron von den Tories und Nick Clegg von den Liberaldemokraten am Donnerstagabend wieder ausmerzen kann, war fraglich.

Die Panne reißt den Graben zwischen dem gespielten öffentlichen Auftreten Browns und seinem eigentlichen Charakter wieder auf. Brown war im Gegensatz zu Blair nie der Strahlemann. Aber auch wenn Browns Medienberater ihm ein Lächeln verordnet haben: Es wirkt immer noch verkrampft. Seine Mimik kommt, auch weil er wegen eines Rugbyunfalls auf einem Auge blind ist, nicht gut rüber. Aber im medialen Wahlkampf geht es weniger um Inhalte als ums Image.

Statt mit Charme konnte Brown mit eisernem Willen, Erfahrung und Intelligenz punkten. Er übersprang zwei Schulklassen, bereits mit 16 studierte er Geschichte in Edinburgh. Nachdem er kurz als Lektor und Journalist gearbeitet hatte, wurde er 1983 Abgeordneter. Als Finanzminister gab es mit seinem Dauerkonkurrenten Blair den Deal, dass er diesen beerben wird.

Brown verkauft sich neben dem erst 43-jährigen Cameron als erfahrener Staatenlenker. In der Finanzkrise gab er sich als Retter der Finanzwelt, weil Großbritannien schnell strauchelnde Banken verstaatlichte. Dass er selbst an dem Crash Schuld trug, weil er als Schatzkanzler jahrelang laxe Regulierungen duldete und der Blase am Immobilienmarkt keinen Einhalt gebot, sagte er dabei freilich nicht.

Doch Labour hat bereits einen Platz in der Geschichte: In den 13 Jahren «New Labour», die Brown neben Blair mitprägte, hatte Großbritannien nach einer langen Durststrecke unter den Tories den Aufschwung geschafft. Labour wurde von sozialistischem Gedankengut entstaubt, die Gesellschaft wurde auf vielen Ebenen fairer, die Arbeitslosigkeit sank jahrelang, die Wirtschaft boomte.

Doch nun ist der Lack ab, nicht erst seit der Wirtschaftskrise. Der Irakkrieg, den Blair gegen den Willen des Volkes durchdrückte, war auch ein Imageschaden. Die Briten wünschen sich den Wandel. «Sie müssen nicht fünf weitere Jahre Brown ertragen!» - mit diesem Slogan geht Konkurrent Cameron mit seinen Tories auf Stimmenfang.

Aber auch dessen Partei hat der Spesenskandal, bei dem Abgeordnete von der Reinigung ihres Pools bis zum Entenhaus so ziemlich alles dem Steuerzahler in Rechnung stellten, getroffen. «Besonders diese Wahl, bei der der Ruf des Parlaments so stark beschädigt ist, ist die Chance für einen Neuanfang», sagte Tony Travers von der London School of Economics. Es könnte die Stunde der kleinen Parteien sein.

Und auch Labour kann einen Neuanfang vertragen. In der Opposition wäre Zeit, alte Lagerkämpfe zwischen Blair- und Brown-Anhängern auszumerzen. Wer die Führung übernimmt, wenn Brown nicht mehr da sein sollte, muss allerdings noch ausgefochten werden.

Wahlen / Großbritannien
07.05.2010 · 00:15 Uhr
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