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Franz Müntefering: Ende eines kurzen Comebacks

SPD-Chef MünteferingGroßansicht
Dresden (dpa) - Einer der Lieblingssätze Franz Münteferings lautet: «Politik muss organisiert werden.» Tugenden wie Disziplin, Loyalität und Geschlossenheit gehörten immer schon zu seinem Credo - gleich in welcher Funktion der 69-Jährige seiner Partei in den über 40 Jahren SPD-Mitgliedschaft gedient hat.

Ob zweimal als Bundesvorsitzender in turbulenten Zeiten, ob als Generalsekretär, als Fraktionschef und Mehrheitsbeschaffer für die Politik von Kanzler Gerhard Schröder oder als «Architekt» des grandiosen SPD-Wahlsieges von 1998.

Kaum ein anderer SPD-Politiker verkörpert Aufstieg und Fall der Partei in den vergangenen Jahren so wie Müntefering. Der Arbeitersohn und gelernte Industriekaufmann aus Neheim-Hüsten trat 1966 der SPD bei und kann - wenn auch mit Brüchen - auf eine Bilderbuchkarriere zurückblicken: Zunächst Vorsitzender des mitgliederstärksten SPD- Bezirks Westliches Westfalen, später SPD-Landeschef in NRW und dann Ministerposten in Düsseldorf und Berlin sowie Vizekanzler in der großen Koalition.

Mitte der 90er Jahre holte der glücklose SPD-Chef Rudolf Scharping «Münte» als Bundesgeschäftsführer. Mit Scharpings Nachfolger Oskar Lafontaine bereitete dieser organisatorisch den Boden für Schröders Sieg 1998. Als es 2002 nochmals klappte, wurde der Katholik aus dem Sauerland in der Partei zeitweise als «Wahlkampfwunderwaffe» verehrt. Mit dem Satz «Wahlkampf machen - das können wir» machte er seinen Genossen trotz mieser Umfragewerte immer wieder Mut - und schaffte es 2005, der SPD wenigstens noch die Regierungsbeteiligung in der großen Koalition zu sichern.

Im November 2007 trat Müntefering überraschend von der Berliner Politik-Bühne ab, um seine schwer krebskranke Frau Ankepetra zu pflegen. Kurz nach deren Tod meldete er sich immer deutlicher in der Partei zurück. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier wollte auf seine «Wahlkampfkünste» nicht verzichten. Genervt warf SPD-Chef Kurt Beck daraufhin im September 2008 das Handtuch. Müntefering übernahm erneut das Zepter - um diesmal das Wahlziel jedoch so deutlich wie nie zu verfehlen.

Parteien / SPD / Parteitag
12.11.2009 · 17:42 Uhr
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