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Frankreich-Wahlkampf - Sarkozy profitiert vom Killer von Toulouse

Die Gräueltaten von Toulouse lassen Frankreich nicht zur Ruhe kommen. Auch zehn Tage danach beschäftigen die blutigen Attentate von Mohamed Merah die Grande Nation. In dieser Woche sorgte ein Video der Anschläge für Aufsehen, das dem arabischen TV-Sender al-Dschasira zugespielt worden war. Der Absender ist rätselhaft, Merah selbst kann es nicht gewesen sein.

Ausgestrahlt werden soll der Horror-Clip auf keinen Fall. Zumindest wenn es nach dem Willen des ersten Mannes im Staate geht, Nicolas Sarkozy. Frankreichs Noch-Präsident geriert sich seit den Anschlägen als Frankreichs Ordnungspolizist. Mit Erfolg: Am Freitag gab er bekannt, dass bei landesweiten Razzien 19 mutmaßliche Islamisten festgenommen wurden.

Mit der Rolle des Landes-Cops scheint der Amtsinhaber das richtige Rezept zur richtigen Zeit gefunden zu haben, um François Hollande, den Mann mit der 75-Prozent-Steuer, auf den letzten Metern womöglich doch noch zu überholen. Der Herausforderer schien Sarkozy bereits hoffnungslos enteilt, doch die jüngsten Ereignisse mitten in der heißen Phase des Wahlkampfes scheinen Sarkozy neuen Auftrieb zu geben.

Aktuellen Umfragen zufolge käme der Präsident im ersten Wahlgang auf 30 Prozent der Stimmen - womit er vor Hollande (26) läge. Da jedoch aller Voraussicht nach erst im zweiten Wahlgang über die Besetzung des Amtes entschieden wird, hat der Sozialist immer noch die Nase vorn (Sarkozy 46 Prozent, Hollande 54 Prozent). Sarkozy spekuliert daher auf die Stimmen von Marine Le Pen (17 Prozent) von der Front National. Deshalb fährt er nach den Bluttaten des Mohamed Merah einen strikten Law-and-Order-Kurs.

Parteispenden-Affäre zur Unzeit

So wie Kanzler Gerhard Schröder einst die Jahrhunderflut in aussichtloser Lage zur Seite sprang, so könnte Krisenmanager Sarkozy am Ende von seinem Umgang mit den dramatischen Ereignissen in Toulouse profitieren.

Ebenfalls ganz nach des Präsidenten Geschmack dürfte der Aufstieg des Außenseiters Jean-Luc Mélenchon zum Shootingsstar der Wahlvorhersagen sein. Der geschliffene Rhetoriker von der Linken Front rangiert zwar lediglich bei 11 Prozent, kann aber seit Wochen mit deutlichen Zugewinnen überraschen. Und klaut damit François Hollande vermeintlich Stimmen im linken Spektrum. Zur Freude Sarkozys.

Der Präsident befindet sich vier Wochen vor den Wahlen am 22. April im Höhenflug. Zur Unzeit kommt da ein Bericht der Zeitung Le Monde, der Sarkozy in den Verdacht rückt, seinen Wahkampf 2007 mit illegalen Parteispenden finanziert zu haben. Angeblich soll der amtierende Präsident selbst bei der Milliardärin Liliane Bettencourt vorstellig geworden sein, um Wahlkampfgelder zu akquirieren. Würde sich der Vorwurf bewahrheiten, wäre das für seine Beliebtheitswerte kaum förderlich.

Giulia Sarkozy als letzter Trumpf?

Verwunderlich ist derweil, dass Sarkozy eine andere Trumpfkarte nicht ausspielt. Ganz Frankreich giert nach Bildern der kleinen Giulia, dem ersten gemeinsamen Kind von Nicolas und Carla Bruni-Sarkozy. Doch auch fünf Monate nach ihrer Geburt hält des Präsidentenpaar seine Tochter unter strengem Verschluss. Rührende Bewegtbilder oder Exklusivfotos aus dem Élysée-Palast in der Yellow Press? Fehlanzeige.

Das sonst so boulevard-affine Präsidentenpaar scheint strikt den Eindruck vermeiden zu wollen, ihr Baby Giulia lediglich für Wahlkampfzwecke einzuspannen. Zuzutrauen wäre das dem abgebrühten PR-Duo Sarkozy-Bruni allemal. Noch ist der Wahlkampf aber nicht zu Ende. Und sollte sich nach dem ersten Wahlgang das sich abzeichnende Kopf-an-Kopf-Rennen mit Hollande bewahrheiten, könnte sich seine Jüngste noch als großer Joker für Nicolas Sarkozy erweisen.

[news.de] · 31.03.2012 · 07:04 Uhr
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