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Fragen & Antworten zum «Costa Concordia»-Unglück

Taucher der italienischen Küstenwache suchen nach Überlebenden. Foto: Maurizio Degl´ InnocentiGroßansicht

Berlin (dpa) - Die Lage am Unglücksort ist unübersichtlich: Drei Tage nach dem Schiffsunglück in Italien werden noch immer Menschen vermisst, ihre Zahl schwankt. Unklar ist auch, wie viele Passagiere und Besatzungsmitglieder bei der Katastrophe ums Leben kamen. Dass menschliche Fehler passiert sind, scheint inzwischen sicher.

Wie lauten die konkreten Vorwürfe gegen den Kapitän?

Wie genau es zu dem Unglück nahe der Insel Giglio vor der italienischen Westküste kam, ist unklar. Die Reederei Costa Crociere, will einen «menschlichen Fehler» nicht bestreiten. Das Unternehmen distanzierte sich früh vom Unglücks-Kapitän, weil er sich nicht an Vorgaben gehalten habe. Die Route führte zu nah an der Küste vorbei - wohl seine eigene Entscheidung. Als das Schiff auf Grund lief, habe er die Situation nicht früh genug als Notfall eingestuft und zunächst keinen «SOS»-Ruf abgesetzt. Medienberichten zufolge ist er außerdem trotz mehrfacher Aufforderung der Küstenwache nicht auf dem Schiff geblieben, um die Evakuierung zu leiten. Bis zuletzt zu bleiben, ist zwar keine Rechtspflicht, zählt aber zum Ehrenkodex der Kapitäne.

Gibt es noch Vorwürfe gegen andere?

Eine Reederei trägt einen Teil der Verantwortung für jedes ihrer Schiffe. Passagiere sollen sich nach ihrer Rettung darüber beschwert haben, dass es nicht genug Schwimmwesten an Bord gab, die Rettung chaotisch war und zunächst niemand zu den Rettungsbooten durfte. Urlauber von früheren Fahrten berichten außerdem von unkompetent geleiteten Rettungsübungen an Bord. Auch technische Probleme könnten zu dem Unglück geführt haben. Kurz nachdem das Schiff am Freitag ausgelaufen war, soll es solche Probleme an die Hafenbehörde gemeldet haben. Die «Costa Concordia» war auch für ihre Kampfpreise bekannt. Inwiefern daher an Bord Abstriche an der Sicherheit gemacht wurden, die letztlich zu dem Unglück geführt haben, muss geprüft werden.

Wie viele Menschen werden noch vermisst?

Eine genaue Zahl der Vermissten gab es drei Tage nach dem Unglück noch nicht. Derzeit geht die Polizei von mindestens zwölf vermissten Deutschen aus. Immer wieder herrschte im Laufe der Bergung große Unklarheit darüber, wie viele Menschen bereits in Sicherheit sind. Das liegt unter anderem daran, dass sich einige Passagiere, die in der Region um den Unglücksort leben, sofort auf dem Heimweg gemacht haben. Andere könnten kein Telefon bei sich haben oder verwirrt sein. Sechs Tote haben die Rettungskräfte bisher geborgen. Wegen stärkeren Seegangs hatten sie die Suche zeitweise unterbrochen.

Droht nun eine Umweltkatastrophe?

Da die «Costa Concordia» erst am selben Tag abgelegt hatte, war sie vermutlich vollgetankt. Angeblich sind noch fast 2400 Tonnen Treibstoff im Schiff. Das Risiko für die Umwelt schätzen Experten daher als sehr hoch ein. Aus Angst vor einer Ölpest hat das Hafenamt die Kreuzfahrtgesellschaft dazu aufgefordert, das Schiff so schnell es geht abzuschleppen. Derzeit pumpt eine Spezialfirma nach Angaben des niederländischen Fernsehsenders NOS lediglich austretenden Treibstoff ab. An die Reste in den Tanks wagen sich die Experten wahrscheinlich erst, wenn die Suche nach Vermissten beendet ist. Unklar ist nämlich auch, wie stabil der für mehr als 4200 Menschen gebaute Koloss auf dem Meeresgrund liegt.

Was bedeutet das Unglück für die Kreuzfahrtbranche?

Gerade in Deutschland sind Kreuzfahrten sehr beliebt. Touristik-Experten glauben nicht, dass sich das Unglück in Italien langfristig negativ darauf auswirkt. Die Reederei Costa Crociere, zu der das havarierte Schiff gehört, wird aber wohl mit erheblichen Auftragsrückgängen rechnen müssen. Außerdem kommt sie das Unglück teuer zu stehen: Den Schaden am Schiff schätzt das Unternehmen auf 93 Millionen Dollar (73 Millionen Euro). Experten glauben nicht, dass das leckgeschlagene und gekenterte Schiff noch zu retten ist.

Unfälle / Schifffahrt / Italien
16.01.2012 · 22:02 Uhr
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