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Fragen & Antworten zu Hedge-Fonds

Brüssel (dpa) - Die EU will Spekulanten das Handwerk legen. Hedge-Fonds und andere alternative Anlageformen sollen ihre risikoreichen Geschäfte in Europa künftig nur noch unter strikter Aufsicht machen dürfen. Das sieht eine neue EU-Richtlinie vor, die die Finanzminister am Dienstag beschlossen haben.

Eine Übersicht:

Warum sind Hedge-Fonds gefährlich?

Egal ob Griechenlandkrise oder Euro-Verfall - Hedge-Fonds gelten häufig als Brandbeschleuniger am Finanzmarkt. Diese spekulativen Investoren sammeln am Markt Milliarden ein und erzielen mit hochriskanten Geschäften oft traumhafte Renditen. Eines ihrer Produkte sind Ausfallversicherungen (Credit Default Swaps/CDS) auf Kredite und Staatsanleihen. Mit diesen kann man auch handeln, wenn man gar keine Anleihe besitzt - das beschleunigt Wellen am Finanzmarkt.

Wie haben Hedge-Fonds in den jüngsten Krisen agiert?

Durch Wetten im großen Stil auf den Zahlungsausfall Griechenlands haben die Hedge-Fonds die Kosten für Kredite in die Höhe getrieben und die Notlage des Landes verschärft. Auch beim aktuellen Euro- Verfall stehen sie im Verdacht, gemeinsam einen Angriff auf die Gemeinschaftswährung gestartet zu haben, um von sinkenden Kursen zu profitieren.

Was plant die EU?

Spekulative Hedge-Fonds, Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) und Spezialfonds sollen an die Kette gelegt werden. Sie werden schärfer kontrolliert und müssen transparenter arbeiten. Bislang unterliegen sie praktisch keinen Regeln. Sie werden verpflichtet, gegenüber Aufsicht, Investoren und der Öffentlichkeit ihre Geschäfte offenzulegen und müssen ihr Risikomanagement verbessern. Zudem gilt für Manager außereuropäischer Fonds eine Zulassungspflicht. Auch sie müssen EU-Standards einhalten, um ihre Produkte in Europa verkaufen zu können.

Handelt es sich um einen Alleingang der EU?

Nein, die EU setzt damit Forderungen der Gruppe der 20 wichtigsten Volkswirtschaften («G20») um, die die Reform der Finanzaufsicht global koordinieren wollen.

Wo liegt der Knackpunkt?

Der Streit entzündet sich vor allem an außereuropäischen Fonds, zum Beispiel mit Sitz in den USA oder in Steuerparadiesen wie auf den Kaiman-Inseln. Hedge-Fonds aus Ländern außerhalb der EU müssen sich künftig an die europäischen Regeln halten und sich registrieren lassen - das verursacht zusätzliche Kosten. Das Ringen um die Regeln dauert bereits seit einem Jahr an.

Warum haben die Briten Bedenken?

Großbritannien sorgt sich um den Finanzplatz London, den wichtigsten Platz für außerbörslich gehandelte Produkte in Europa. Die Briten fürchten die Flucht vieler Hedge-Fonds aus London. In der City sitzen rund 450 Hedge-Fonds, die etwa 80 Prozent des Vermögens der Branche in Europa verwalten. Viele Fonds drohen, bei zu scharfer Kontrolle in die Schweiz abzuwandern.

Wie lauten die Argumente der Gegner?

Fonds aus den USA oder Asien werden diskriminiert, sagen die Kritiker. Die US-Wertpapieraufsicht SEC wirft der EU vor, mit der Registrierungspflicht für Anbieter aus Drittstaaten amerikanische Fonds auszugrenzen und den Markt abzuschotten. Experten fürchten, dass weniger Firmen in europäische Unternehmen investieren - zu einer Zeit, in der diese dringend Kapital brauchen. Die Regeln würden die Kosten und bürokratischen Aufwand erhöhen, ohne einen wirklichen Nutzen zu bringen.

Welche weiteren Pläne hat die EU?

Zur Finanzreform gehört ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Der Plan heißt: Hedge-Fonds streng überwachen, Kreditausfallversicherungen verbieten und eine Transaktionssteuer einführen. Mit diesen Schritten will die EU «eine Gerechtigkeitslücke schließen». Eine Steuer würde sämtliche Geschäfte und Produkte auf den Finanzmärkten betreffen und Banken an den Kosten der Krise beteiligen. Denn während die Staaten gigantische Rettungsschirme für Banken und den kriselnden Euro aufspannen und sich dafür tief verschulden, ist der Beitrag von Banken bislang minimal. «Es wird so sein, dass diejenigen auch bezahlen müssen, die nicht unschuldig sind an dem Schlamassel, in dem wir alle stecken», sagt der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker.

EU / Finanzminister / Reformen
18.05.2010 · 23:02 Uhr
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