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Fragen & Antworten: Wie geht es jetzt weiter?

Rüsselsheim/Detroit (dpa) - Nach monatelangen Verhandlungen über einen Verkauf von Opel hat der US-Autokonzern General Motors (GM) einen Rückzieher gemacht. GM will seine deutsche Tochter behalten und auf eigene Faust sanieren. Wie geht es nun weiter?

Warum will GM Opel unbedingt behalten?

Weil GM aus Sicht des Konzerns nur mit Opel überleben kann - und umgekehrt. Der US-Riese kann nur mit Opel und dem Entwicklungszentrum in Rüsselsheim an der Weltspitze auf dem Automarkt bleiben. Es sind Opel-Ingenieure, die die Plattform für alle Mittelklassewagen des GM- Konzerns entwickeln. Dort sitzt auch das Wissen für die Autos der Zukunft wie Elektrofahrzeuge.

Haben die Bedenken der EU-Kommission den Ausschlag gegeben?

Das könnte für GM das entscheidende Argument gewesen sein, um den Verkauf abzusagen. Die EU-Kommission hatte geprüft, ob die 4,5 Milliarden Euro staatlicher Hilfen aus Berlin den Wettbewerb verzerren. GM verwies offiziell auf drohende Schadenersatzforderungen, wenn man die von der EU geforderte Erklärung abgegeben hätte, dass die Entscheidung zugunsten von Magna ohne politischen Druck gefallen sei. Die beiden unterlegenen Bieter Fiat und RHJI hätten klagen können. Allerdings hatten Experten einen Rechtsstreit für unwahrscheinlich gehalten.

Kann GM rechtlich überhaupt von dem Verkauf zurück?

Ja, das geht durchaus. GM hatte Ende Mai lediglich eine Absichtserklärung über den Verkauf an den Zulieferer Magna unterzeichnet. Einen rechtlich verbindlichen Vertrag gab es nie.

Kann der US-Konzern Opel aus eigener Kraft sanieren?

Das dürfte schwierig werden. Als erstes will GM die noch ausstehenden 900 Millionen Euro aus dem Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen, den Bund und Länder im Frühjahr gewährt hatten, um das Überleben von Opel zu sichern. Dazu kommen die Zinszahlungen für das Darlehen. GM müsste sich dann Kredite besorgen und Milliarden in den angeschlagenen Autobauer stecken.

Wird es Geld von der Regierung geben?

Bund und Länder wollen die - für den Fall eines Verkaufs an Magna - versprochenen staatlichen Bürgschaften von drei Milliarden Euro bisher nicht gewähren. Doch GM könnte Deutschland vor die Alternative stellen: Hilfe oder Insolvenz. Dann müsste Berlin entscheiden. Bund und Länder haben sich bereits zu sehr engagiert, um sich dann einfach zurückziehen zu können.

Wieviel Geld kostet die Sanierung von Opel?

GM muss eine größere Summe in Opel investieren. Der Konzern selbst rechnet mit rund drei Milliarden Euro für die Sanierung - nach Expertenansicht ist das viel zu wenig. Der Betriebsrat spricht von sechs Milliarden Euro, die für neue Modelle und die Restrukturierung notwendig seien.

Was passiert mit den 25 000 Arbeitsplätzen in Deutschland?

Sicher ist nur eines: Dass Stellen wegfallen werden. Wieviele, ist noch unklar. Die beiden Kaufinteressenten, der Zulieferer Magna und der Finanzinvestor RHJI, wollten in Deutschland zwischen 3000 und rund 4000 Stellen streichen. Beim Verbleib von Opel unter dem Dach von GM könnten es mehr werden, glauben Experten.

Wird GM auch Werke schließen?

Das ist zu befürchten. Das Werk im belgischen Antwerpen wird mit großer Wahrscheinlichkeit dichtgemacht. In Deutschland gelten das Komponentenwerk in Kaiserslautern, aber auch der Standort in Eisenach als gefährdet. Bei einer Insolvenz wären Werksschließungen auch in Bochum denkbar.

Was können die Mitarbeiter tun?

Nicht viel: Sie können lautstark protestieren. Der Betriebsrat hat Warnstreiks vom morgigen Donnerstag an angekündigt, die sich auf ganz Europa ausbreiten sollen. Die Beschäftigten können die Sanierung blockieren, um Druck auf GM auszuüben. Ihre Zusage auf Lohnverzicht, um bei der Sanierung jährlich 265 Millionen Euro einzusparen, hat die Belegschaft bereits zurückgenommen.

Was passiert im Fall einer Insolvenz?

Opel wäre dann all seine Verbindlichkeiten los, allerdings dürfte es Massenentlassungen geben. Die Opel-Händler müssten um ihre Existenz fürchten.

Auto / Opel
04.11.2009 · 23:02 Uhr
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