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Fragen & Antworten: Was geschieht mit meinen Daten?

Reklame im BriefkastenGroßansicht

Berlin (dpa) - Werbepost ist für Millionen Bürger ein Ärgernis. Was bislang kaum jemand ahnte: Unternehmen und Adresshändler besorgen sich die Anschriften auch beim Meldeamt. Ein umstrittenes neues Gesetz macht es noch schwieriger, sich zu wehren.

Wieso gibt es jetzt die Aufregung?

Der Streit entzündet sich an der Frage, unter welchen Bedingungen Ämter Daten nach draußen geben dürfen, wenn diese für Werbung oder den Handel mit Adressen verwendet werden sollen. Der ursprüngliche Entwurf vom vergangenen November sah eigentlich eine verbraucherfreundliche Regelung vor: Ohne Einwilligung des Betroffenen hat niemand Zugriff auf die Daten - es hätte also nachgefragt werden müssen. Aber im zuständigen Innenausschuss setzten CDU, CSU und FDP gegen die Oppositionsparteien eine Änderung durch, die die Regelung quasi ins Gegenteil verkehrt.

Was genau sieht der Gesetzentwurf jetzt vor?

In der neuen Fassung (Paragraph 44) heißt es, dass die Daten grundsätzlich weitergegeben werden dürfen - es sei denn, der Betroffene hat dem ausdrücklich widersprochen, zum Beispiel bei der Anmeldung auf dem Bürgeramt. Dazu wurde ein Passus eingefügt, der dieses Widerspruchsrecht sogar noch weiter einschränkt: «Dies gilt nicht, wenn die Daten ausschließlich zur Bestätigung oder Berichtigung bereits vorhandener Daten verwendet werden.» Führt der Adresshändler die Person bereits in seiner Datenbank und möchte jetzt wissen, ob die Angaben noch aktuell sind, erteilt das Amt also Auskunft. Widerspruch zwecklos - zumindest beim Amt.

Wieso gibt es überhaupt ein neues Meldegesetz?

Bislang war das Meldewesen auf Länderebene geregelt, nach einem Rahmengesetz des Bundes (Melderechtsrahmengesetz, MRRG). Mit der Föderalismusreform im Jahr 2006 ist das Melderecht allerdings auf den Bund übergegangen. Das Gesetz soll nun die neuen Zuständigkeiten regeln.

Wie war der Datenschutz bisher gefasst?

Auch heute schon können zum Beispiel Unternehmen persönliche Daten beim Amt erfragen und abgleichen, solange der Betroffene dem nicht widersprochen hat. Die Meldeämter sind verpflichtet, die Bürger bei der Anmeldung auf ihr Widerspruchsrecht aufmerksam zu machen. In Berlin steht dieser Hinweis zum Beispiel in den einleitenden Erläuterungen zum Meldeformular, einen Vordruck für den Widerspruch kann man beim Amt bekommen. Die bisherige Regelung ist also nicht so verbraucherfreundlich wie der ursprüngliche Gesetzentwurf vom November. Die geänderte Fassung weicht das Widerspruchsrecht aber klar auf.

Welche Daten dürfen die Meldeämter überhaupt weitergeben?

Privatpersonen und nicht-öffentliche Einrichtungen dürfen Auskunft bekommen über: Familienname, Vorname, Doktortitel, aktuelle Anschrift und die Tatsache, dass die Person gestorben ist. Beim Meldeamt liegen noch viele weitere Angaben vor, zum Beispiel das Geschlecht, der Familienstand, die Staatsangehörigkeit oder die Religion. Diese Daten sind gegen Weitergabe geschützt.

Wie können sich Bürger gegen die Weitergabe wehren?

Nach der bisher gültigen Regelung können Betroffene gleich bei der Anmeldung eine Widerspruchserklärung ausfüllen. Außerdem sind die Meldeämter verpflichtet, den Bürgern darüber Auskunft zu erteilen, an wen welche Daten weitergegeben wurden. Beispielsweise bei den Verbraucherzentralen gibt es Musterbriefe, mit denen man direkt beim Unternehmen der Datenverwendung zu Werbezwecken widersprechen kann.

Wie geht es weiter?

Im Herbst will der Bundesrat über den Gesetzentwurf beraten. Die Oppositionsparteien haben angekündigt, mit ihren Stimmen die Vorlage in der Länderkammer zu stoppen. Bei der Abstimmung im Bundestag Ende Juni war der Widerstand gering - zeitgleich lief das EM-Halbfinale Deutschland gegen Italien.

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10.07.2012 · 06:49 Uhr
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