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Fragen & Antworten: Klimawandel - was droht uns?

Potsdam/Hamburg (dpa) - Das Wetter wird extremer - darin sind sich Klimaforscher wie Stefan Hagemann vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und sein Kollege Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung einig. Die beiden Experten geben Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Verheerende Hochwasser, schwere Torfbrände - sind das bereits die Folgen des Klimawandels?

Sehr wahrscheinlich ja, sagt Gerstengarbe. Für diese Wetterextreme ist aus seiner Sicht unter anderem eine veränderte Luftzirkulation verantwortlich. Seit Jahrzehnten ziehen immer mehr Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeerraum in Richtung Norden. «Sie führen bei uns zu Starkregen, der innerhalb kürzester Zeit die Pegelstände ansteigen lässt wie jetzt an der Neiße oder 2002 an der Elbe», sagt Gerstengarbe. «Wir gehen davon aus, dass mit der globalen Erwärmung extreme Ereignisse sehr viel häufiger auftreten werden», erwartet Hagemann. Im Sommer wird es demnach öfter Dürre oder Trockenheit geben. Wenn es mal regnet, kann es dann aber durchaus heftiger sein.

Gibt es andere Faktoren, die für die jüngsten Katastrophen verantwortlich sind?

Natürlich spielt beim Hochwasser auch eine Rolle, dass zum Beispiel Flüsse begradigt wurden. Das verändert die Fließgeschwindigkeit und erhöht sie an manchen Stellen, wie Hagemann erläutert. Auch fehlen Überschwemmungsflächen, wo sich die Wassermassen ausbreiten können, ohne Schaden anzurichten. «Wenn beispielsweise ein Fluss wie der Rhein zur Autobahn auf dem Wasser ausgebaut wird, dann verstärken sich ohne Ausweichflächen die Effekte der Klimaveränderungen noch», sagt Gerstengarbe.

Wie wird sich der Klimawandel in Zukunft auf Deutschland auswirken?

Forscher wie Hagemann gehen davon aus, dass es im Mittel zwischen 2,5 bis 3 Grad je nach Gebiet wärmer wird. Im Winter wird der Niederschlag generell eher zunehmen, im Sommer dagegen weniger werden. Extreme Niederschläge können aber zunehmen. Auch Hitzewellen wie zuletzt 2003 in Mitteleuropa wird es wohl häufiger geben. Gerstengarbe geht davon aus, dass vor allem im Osten Deutschlands die Sommer trockener werden. «Damit wird die Wasserversorgung schwieriger, während zugleich häufiger Überschwemmungen aufgrund von Starkregen auftreten können», sagt er.

Wo zeigt sich bereits heute ganz eindeutig der Klimawandel?

Neben der Zunahme von Wetterextremen tauchen beispielsweise in der bereits wärmer gewordenen Nordsee neue Fischarten auf. «Oder nehmen Sie die Tundra, die derzeit jeden Tag um etwa 350 Quadratkilometer abtaut», sagt Forscher Gerstengarbe.

Kann die Menschheit das Ruder noch herumreißen?

Es gibt Chancen, die Entwicklung abzumildern, da sind sich die Forscher einig. «Es macht einen großen Unterschied, ob wir gegen Ende des Jahrhunderts eine globale Erwärmung von 3 Grad oder von 4 Grad im Schnitt bekommen», sagt Hagemann. Aber: Man muss heute schon etwas tun, damit man in 30 Jahren etwas merkt - leider hat man aber keinen sofortigen Effekt, den man sehen kann.

Was könnte konkret getan werden?

Forscher Gerstengarbe hat durchaus klare Vorstellungen. «Man sollte fragen: Ist es wirklich sinnvoll, ein durch eine Flut zerstörtes Haus an der gleichen Stelle wieder aufzubauen? Nur damit es beim nächsten Hochwasser wieder untergeht?» Sinnvoll wäre es aus seiner Sicht auch, im Osten Deutschlands die landwirtschaftlichen Drainagen zurückzubauen. Der Regen würde dann nicht mehr in die Flüsse geleitet, sondern könnte versickern und das Grundwasser anheben.

Und wie stoppen wir den Klimawandel?

«Damit der Klimawandel nicht immer stärker wird, müssen wir vor allem Energie einsparen und sie effizienter einsetzen. Dazu würde es zunächst schon reichen, wenn sich die 20 größten Wirtschaftsnationen der Erde einigten. Sie verbrauchen mehr als 80 Prozent der Energie. Wenn sie die Entwicklung umkehren, das heißt weniger Energie verbrauchen und weniger Kohlendioxid ausstoßen, dann könnte das bekannte Zwei-Grad-Ziel der Erderwärmung noch erreicht werden», sagt Gerstengarbe.

Max-Planck-Institut für Meteorologie

Wetter / Hochwasser / Klima
09.08.2010 · 22:50 Uhr
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