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Forschungsministerin Schavan: Wachsende Technikfeindlichkeit gefährdet Wohlstand in Deutschland

Berlin (dts) - Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht den Wohlstand durch die wachsende Technikfeindlichkeit in Deutschland gefährdet. "Wir sind ein Land, dessen Wohlstand in Zukunft wie in keinem anderen Industrieland auf Innovation beruhen wird", sagte Schavan in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Dieser schon erreichte Wohlstand erzeugt bei manchen die Illusion, dass wir in Deutschland keinen technischen Fortschritt mehr brauchen."

Wohlstand mache bequem. Schavan an die Deutschen: "Wir müssen uns klar werden, welchen Fortschritt wir wollen." Deutschland brauche eine Idee von Fortschritt. "Eine moderne Gesellschaft, die keine Fortschrittsidee mehr hat, wird selbstgenügsam und langweilig." Als Beispiel nannte Schavan die aktuelle Diskussion um die Energieversorgung. "Ich kann nicht gleichzeitig gegen Kernkraft-, Kohle-, Wasserkraftwerke und Hochspannungsleitungen sein, die Windenergie transportieren." Dann würde Deutschland in die totale Abhängigkeit von anderen Ländern geraten. Die CDU-Politikerin ging auf klare Distanz zur CSU, deren bayerischer Umweltminister Markus Söder sich gegen grüne Gentechnik ausspricht. Schavan sagte dem Magazin, sie und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) seien der Überzeugung, dass mit grüner Gentechnik "große Chancen verbunden sind". Besonders erfreut zeigte sich die ehemalige Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken darüber, dass der Vatikan Offenheit für grüne Gentechnik signalisiert. Gefragt, was denn die CSU-Führung dazu sage, antwortet sie: "Jedenfalls ist der Papst ein Bayer." Bei umstrittenen Großprojekten will Schavan künftig stärker die Interessen der Bürger berücksichtigen: "Der Dialog von Gegnern und Befürwortern von Stuttgart 21 hat den richtigen Ton gesetzt." In Zukunft gehörten Bürgerdialoge dazu. "Wir Politiker sollten bei Großprojekten vorher mit Betroffenen über deren Erwartungen sprechen, nicht erst, wenn sich eine Protestbewegung gebildet hat." Konkret kündigte Schavan im "Focus"-Interview an, dass ihr Ministerium vom nächsten Jahr an solche Bürgerdialoge führen werde. "Wir beginnen mit dem Thema Hightech-Medizin, denn viele Menschen haben Angst davor, wehrlos Apparaten ausgeliefert zu sein." Dazu seien Bürgerkonferenzen, eine Internetplattform und ein Bürgerreport geplant.
DEU / Technik / Forschung / Gesellschaft
26.12.2010 · 09:18 Uhr
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