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Forscher: Abwahl von Schwarz-Gelb in Kiel kein Fanal für Berlin

Kiel (dpa) - Die Abwahl der schwarz-gelben Regierung in Kiel ist nach Ansicht von Wahlforschern kein Fanal für Berlin.

Dass in Schleswig-Holstein trotz heftigen Sperrfeuers durch die Piraten eine Regierung auch jenseits der CDU möglich wurde, liegt auch am Sonderfall des SSW, dem Vertreter der dänischen Minderheit. Dennoch sah die Forschungsgruppe Wahlen am Sonntag im Kieler Ergebnis der Landtagswahlen zwei zentrale Botschaften: Ein aufbrechendes Parteiensystem und eine vielfältige Konkurrenz links der Mitte.

Die SPD kann sich trotz eines deutlichen Stimmenzuwachses nicht von der CDU absetzen. Sie verdankt ihre Gewinne nach Angaben der Forscher dem Image ihres Spitzenkandidaten, dem Ansehen der Partei und dem Wunsch nach sozialdemokratischer Regierungsführung.

Die Forschungsgruppe hat ermittelt, dass eine rot-grüne Koalition selbst mit Beteiligung des SSW einer großen Koalition vorgezogen wird. Rot-Schwarz bewerten noch 36 Prozent positiv, Schwarz-Rot - also die CDU-geführte große Koalition - fänden nur 34 Prozent gut (schlecht: 40 bzw. 47 Prozent).

Dass die Liberalen trotz schwacher Leistungsbilanz und negativen Parteiansehens im Landtag bleiben, verdanken sie den Angaben zufolge vor allem Wolfgang Kubicki. Für 66 Prozent der FDP-Wähler war er ausschlaggebend. Gerade 28 Prozent haben die FDP wegen der Inhalte gewählt. Trotzdem verschafft Kubicki seiner angeschlagenen Partei dringend benötigte Luft zum Atmen.

Bei den Wählern der Piraten war das Hauptmotiv nach inzwischen bekannten Mustern für 74 Prozent Unzufriedenheit mit den anderen Parteien (Inhalte: 22 Prozent), wobei sich die Merkmale einer Protestpartei auch in ihrer Wählerstruktur widerspiegeln. 44 Prozent (alle Befragte: 29 Prozent) fühlen sich in ihrem Leben benachteiligt.

Nach Angaben der Forschungsgruppe erreicht SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig auch dank lagerübergreifender Wertschätzung ausgesprochen gute 2,2. Dazu kommen Vorteile in Sachen Sympathie und mehr Nähe zum Land, weshalb letztendlich 42 Prozent aller Befragten SPD-Kandidat Albig und nur 30 Prozent CDU-Kandidat de Jager als Regierungschef wollen. Zwar erzielt neben Wolfgang Kubicki (0,8), Robert Habeck von den Grünen (1,4) und Anke Spoorendonk vom SSW (1,2) auch CDU-Spitzenmann Jost de Jager einen guten Imagewert. Doch mit 1,4 bleibt de Jager weit entfernt von seinem unmittelbaren Konkurrenten Albig.

Nur bedingt kompensieren kann die CDU ihr personelles Defizit bei den Parteikompetenzen: Zwar wird ihnen finanzpolitisch mehr zugetraut als der SPD (CDU: 34 Prozent, SPD: 27 Prozent), bei den beiden anderen Top-Themen Bildung (21 bzw. 34 Prozent) und Jobs (30 bzw. 34 Prozent) liegt aber die SPD vorne. Die Energiepolitik, im Norden ebenfalls ein großes Thema, wird klar von den Grünen beherrscht. FDP und Piraten bleiben in sämtlichen Politikfeldern praktisch unsichtbar.

Große Stütze der CDU ist einmal mehr die ältere Generation: Bei den ab 60-Jährigen holt die Partei 37 Prozent, bei den 18- bis 29-Jährigen liegt sie dagegen mit 22 Prozent ähnlich wie die SPD mit 24 Prozent nur knapp vor den Piraten. Die kommen in dieser Gruppe auf 21 Prozent - und schieben sich damit vor die Grünen, die hier 16 Prozent erzielen.

Wahlen / Landtag / Schleswig-Holstein
07.05.2012 · 00:57 Uhr
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