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Fördertopf für Abwrackprämie ist leer

Ein Autohaus wirbt mit einem Transparent für die Abwrackprämie.Großansicht
Eschborn (dpa) - Auf die Abwrackprämie folgt die Rabattschlacht: Nachdem der staatliche Fördertopf von 5 Milliarden Euro leer ist, werden die Autohersteller mit hohen Preisnachlässen um die Kunden kämpfen.

Im August gab die Prämie dem deutschen Automarkt laut Kraftfahrt-Bundesamt noch einmal einen kräftigen Schub. Die Industrie sieht sich dank Prämie und anziehender Weltkonjunktur bereits auf dem Weg aus der Krise und setzt auf den Export. Experten warnen dennoch vor einem Absatzeinbruch in den kommenden Monaten.

Beim Autokauf können Verbraucher zum Jahresende im Schnitt rund 22 Prozent Nachlass auf den Listenpreis bekommen, wie Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert. Zu Jahresbeginn waren es erst 16 Prozent, im August rund 20 Prozent. Das Car-Center der Universität Duisburg-Essen ermittelte im August 344 Rabattaktionen der Hersteller - ein neuer Rekord. «Die Autohändler leiten ab September eine neue Rabattschlacht im Automarkt ein - diesmal eben ohne Staatszuschuss», sagte Dudenhöffer der dpa.

Nach einem rasanten Endspurt der Autokäufer sind die fünf Milliarden Euro für die Abwrackprämie schneller als erwartet aufgebraucht. Knapp acht Monate nach Einführung der staatlichen Prämie ist der Fördertopf leer, wie das zuständige Bundesamt für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (Bafa) am Mittwoch mitteilte. «Es stehen leider keine Mittel für die Umweltprämie mehr zur Verfügung. Das Online-Portal für die Reservierung ist geschlossen», war auf der Internetseite zu lesen.

Für die Nachzügler bleibt nur eine Warteliste: 15 000 weitere Antragsteller können vom (morgigen) Donnerstag um 9.00 Uhr an unter www.ump.bafa.de einen Online-Antrag stellen und sich damit für die Warteliste registrieren. Anschließend wird das Online-Portal geschlossen.

Auch im August beschleunigte die staatlichen Förderung den Absatz. Die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland kletterte auf Jahressicht um 28 Prozent auf 275 000 Wagen. Seit Jahresbeginn wurden 2,675 Millionen Wagen verkauft - ein Plus von 27 Prozent. Im Juli hatte der Zuwachs bei den Neuzulassungen bei 30 Prozent gelegen, im Juni sogar bei 40 Prozent. «Die Talsohle haben wir durchschritten», sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. In den kommenden Monaten dürfte sich die Lage «Schritt für Schritt weiter verbessern.»   

Ursprünglich war das Ende der Prämie erst nach der Bundestagswahl erwartet worden. Von dem Programm haben knapp zwei Millionen Käufer vor allem kleinerer Autos profitiert. Die Summe von 2500 Euro erhielten Autokäufer, die einen mindestens neun Jahre alten Wagen verschrottet und einen neuen gekauft hatten. Rund 200 000 Arbeitsplätze in Deutschland seien mit Hilfe der Abwrackprämie gehalten worden, sagte SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier.

Trotz immer wiederkehrender Forderungen lehnt die Bundesregierung eine Verlängerung der Aktion ab. «Alles Gute muss auch einmal ein Ende haben», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Audiodienst der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Experten warnen vor einem Absatzeinbruch und Jobverlusten. Der Autobranche stehen nach den Worten von IG-Metall-Chef Berthold Huber und Steinmeier schwere Zeiten bevor. Die Krise sei noch nicht vorbei, sagte Huber.

«Wir können im Handel bis zu 6500 Betriebe verlieren», sagte Wolfgang Meinig vom Forschungsinstitut Automobilwirtschaft im ARD- Morgenmagazin. Das wären rund 90 000 Arbeitsplätze. Die Experten erwarten für 2010 einen massiven Absatzeinbruch, die Zahl der Neuzulassungen könnte um bis zu eine Million auf rund 2,8 Millionen Autos sinken.

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg profitierten vor allem die Hersteller kleiner Autos von der Prämie. Minis verbuchten ein Plus von 81 Prozent, Kleinwagen von 63 Prozent und die Kompaktklasse von 46 Prozent. Unter den deutschen Herstellern war VW mit fast 50 Prozent Absatzplus der große Gewinner vor Opel (plus 27 Prozent) und Ford (plus 13 Prozent).

Eine ernüchternde Bilanz zieht dagegen der Bundesverband freier Kfz-Händler. Mehr als 70 Prozent der Subvention würden verpuffen, da große Teile der subventionierten Käufe zu Lasten des Gebrauchtwagenhandels und zukünftiger Neuwagenabsätze gingen. Punktuelle Subventionen seien Gift für die Branche. Auch im Ausland fand die Abwrackprämie Nachahmer. Der schwer gebeutelte amerikanische Automarkt profitierte im August von der US- Prämie. Insgesamt wuchs der Markt auf mehr als 1,26 Millionen Autos - ein Prozent mehr als vor einem Jahr. Es sei das erste Plus im Jahresvergleich seit Herbst 2007. In den USA ist die Prämie vor gut einer Woche ausgelaufen.

www.ump.bafa.de

Auto / Konjunktur
02.09.2009 · 17:50 Uhr
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