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Flut erreicht Brandenburg später als erwartet

Brandenburg erwartet HochwasserGroßansicht
Warschau/Frankfurt (Oder) (dpa) - Warschau trotzt der Flut, Brandenburg wappnet sich für Wassermassen: Das aus Polen nahende Hochwasser wird Brandenburg deutlich später als erwartet erreichen.

Erst Ende nächster Woche werde die Lage voraussichtlich ernst, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Freitag in Potsdam. Die Flutwelle auf der Weichsel rollte am Freitag durch Polens Hauptstadt Warschau, doch die Deiche hielten den Wassermassen zunächst stand. Die Lage sei «ernst, aber nicht dramatisch», sagte die Stadtpräsidentin von Warschau, Hanna Gronkiewicz-Waltz, nach einer Sitzung des Krisenstabes.

Von Mitte nächster Woche an könnte in Brandenburg die dritte von vier Alarmstufen ausgerufen werden. Je nach Niederschlagsmengen sei dann mit einem Alarmzustand von entweder rund zehn Tagen oder drei Wochen zu rechnen. Viel hänge davon ab, ob die Hochwasserscheitel der Flüsse Warthe und Oder bei Küstrin (Kostrzyn) zusammentreffen, erläuterte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude.

Dann werde das Oderbruch, eine nasse Talniederung links der Oder, Probleme bekommen. Mit der Warthe gebe es bisher keine Erfahrungen. In deren Einzugsgebiet auf polnischer Seite sind laut Freude gegenwärtig rund 260 000 Hektar überflutet. Die zweite Unwägbarkeit neben der Warthe seien die von Meteorologen angekündigten neuen Niederschläge. Für diesen Pfingstsonntag oder Montag wird mit einem spürbaren Anstieg der Oder und damit Alarmstufe 1 gerechnet.

Vom nächsten Dienstag an soll der Katastrophenstab im Potsdamer Innenministerium voll arbeitsfähig sein. Bereits seit Freitag ist ein Vertreter des Landesumweltamtes im polnischen Katastrophenstab in Gorzow (Landsberg) präsent, der aktuelle Informationen über die Hochwasser-Lage aus erster Hand liefern soll. Die Zusammenarbeit mit dem Nachbarland sei sehr eng, unterstrich Platzeck. Er hatte erst am Mittwoch und Donnerstag Polen bereist.

Die Deiche säumen die Oder auf einer Länge von 169 Kilometern. Bis auf drei bis vier Kilometer sind die Dämme Platzeck zufolge «nagelneu». In der Stadt Frankfurt schlossen Feuerwehrleute am Donnerstagabend die beiden Durchlässe in der Ufermauer an der Schiffsanlegestelle und der Römertreppe vor der Konzerthalle. Der Pegel Frankfurt (Oder) lag Freitagmorgen nach Angaben des Landesumweltamtes bei 3,59 Meter mit leicht steigender Tendenz, normal sind zwei Meter im Mai.

Die anschwellende Oder bleibt an der Grenze zu Polen über Pfingsten für Schiffe befahrbar. In der nächsten Woche sei wegen des erwarteten Hochwasserscheitels eine kurzfristige Sperrung des Grenzflusses für Schiffe möglich.

In Polen stieg der Flusspegel am frühen Nachmittag auf 7,56 Meter und lag damit um mehr als einen Meter über dem Alarmwert von 6,50 Metern. Der Hochwasserscheitel wurde am Abend erwartet - mit dann 7,70 bis 7,80 Metern. Als kritisch gilt ein Wert von 8 Metern.

Hunderte Feuerwehrleute, Soldaten und freiwillige Helfer waren rund um die Uhr in Polen im Einsatz, um die Dämme zu verstärken. Bisher wurden 90 000 Sandsäcke verbaut. Die Behörden seien auf eine Evakuierung der Menschen aus bedrohten Stadtvierteln vorbereitet, bislang gebe es dafür aber keine Notwendigkeit, sagte der Chef des Verwaltungsbezirkes Mazowsze, Jacek Kozlowski. Sorgen bereitet vor allem ein mögliches Durchweichen der Deiche.

Als besonders gefährdet gilt der Warschauer Tierpark am rechten Flussufer. Dutzende Warschauer, darunter auch Kinder, halfen den Rettungskräften dort bei der Errichtung einer Sperre aus Sandsäcken. Auch Breslau bereitete sich auf den Hochwasserscheitel vor, der die niederschlesische Metropole am Samstagmorgen erreichen soll. Die Flutwelle bewege sich wegen der Flutung von Poldern langsamer als erwartet, sagte ein Sprecher des Krisenstabes. Laut Innenminister Jerzy Miller sind die Wetteraussichten für die Stadt günstig. Im Gebiet um Oppeln in Schlesien standen am Freitag rund 100 Ortschaften unter Wasser.

Polens Regierungschef Donald Tusk bezifferte die Flutschäden auf mehr als 10 Milliarden Zloty (rund 2,5 Milliarden Euro). Seit vergangenem Montag mussten in den Hochwassergebieten 23 000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Die Flut zerstörte hunderte Häuser, Straßen und Ackerflächen. Mindestens zehn Menschen starben.

Unwetter / Hochwasser / Polen
21.05.2010 · 16:10 Uhr
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