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Feuer in Russland: Kampf gegen radioaktive Gefahr

Lenin im SmogGroßansicht

Moskau (dpa) - Die schweren Waldbrände machen das Leben in Russland immer gefährlicher. In der Region von Tschernobyl könnte radioaktiv verseuchter Boden aufgewirbelt werden. Und der Qualm quält die Menschen. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in betroffene Gebiete ab.

Die Zahl der Feuertoten stieg am Freitag nach offiziellen Angaben auf 52. Hilfsorganisationen und Beobachter gehen davon aus, dass die Opferzahl größer ist als bisher bekanntgegeben. Ein Ende der Dürre und sengend heißen Temperaturen, die vielerorts um 40 Grad Celsius lagen, war weiter nicht in Sicht.

Das Auswärtige Amt rät wegen der hohen Giftwerte in der Luft vor nicht notwendigen Reisen in die Waldbrandregionen Russlands ab. «Insbesondere Reisende mit Atemwegserkrankungen (Asthma, Bronchitis. etc.) sowie Kinder sollten die betroffenen Regionen meiden.» Dies sei aber keine «Reisewarnung», sondern nur ein Sicherheitshinweis, ergänzte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitag.

Wegen der hohen Smogbelastung und extremen Temperaturen wurde die deutsche Botschaft in Moskau am Freitag früher als üblich geschlossen. Nach Angaben des Auswärtigen Amts werde die Vertretung aber nicht generell geschlossen. Auch werde das Personal nicht abgezogen.

Auf dem Gelände des atomaren Forschungszentrums in Sarow etwa 400 Kilometer östlich von Moskau loderten am Freitag noch zwei Brände. Dort kämpfen Spezialkräfte seit Tagen gegen die radioaktive Gefahr. Die Lage sei aber unter Kontrolle, versicherte die Feuerwehr nach Angaben der Agentur Interfax.

Zuvor hatte Zivilschutzminister Sergej Schoigu auch davor gewarnt, dass die Brände radioaktiv verseuchten Boden im Gebiet von Brjansk aufwirbeln könnten. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter teilte diese Befürchtung. «Brände können radiologische Auswirkungen auf die unmittelbare Region haben, wenn Menschen die in der Luft befindlichen radioaktiven Partikel einatmen», teilte die Behörde der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage mit.

Die ukrainischen Behörden bezeichneten die Lage im Gebiet Tschernobyl als derzeit ungefährlich. Auch das BfS warnte jedoch vor Panik: «Es sind keinerlei radiologischen Schutzmaßnahmen in Deutschland notwendig, da die Belastung dafür zu gering ist.»

Brjansk liegt südwestlich von Moskau an der Grenze zu Weißrussland und zur Ukraine. Die Region ist seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 stark radioaktiv belastet. Die Stadt mit mehr als 400 000 Einwohnern liegt etwa 300 Kilometer vom ukrainischen Tschernobyl entfernt.

Im Internet äußerten sich Bürger aus Brjansk besorgt. «Mir ist ganz schlecht geworden, als ich hörte, dass die im Wald Roboter zum Löschen einsetzen und schon keine Menschen mehr dorthin lassen», schrieb der Blogger Doc.

Für Russlands Atomwaffen stellen die Jahrhundert-Waldbrände nach Militärangaben keine Gefahr dar. Der russische Atomenergiekonzern Rosatom gab an, dass für die zivilen Anlagen wie Kernkraftwerke ebenfalls keine Gefahr durch die Feuersbrunst bestehe. Ein Brand nahe einer Raketenangriff-Warnstation wurde rasch gelöscht.

Im Moskauer Umland waren Soldaten weiter damit beschäftigt, ein Übergreifen der Flammen auf Munitionsdepots zu verhindern. Sie brachten Raketen und Artillerie in Sicherheit. Ein Nottransport von Tonnen atomarer Stoffe wie Plutonium oder Uran wie im Forschungszentrum Sarow berge in sich ein gewaltiges Risiko, warnte der Militärexperte Pawel Felgenhauer.

Weil die Wald- und Torfbrände im Moskauer Umland so viel Rauch entwickeln, war die russische Hauptstadt erneut in dichten Smog gehüllt. Die Luftverschmutzung sei schlimmer als bei den letzten großen Torfbränden 2002, sagte der oberste Amtsarzt Gennadi Onischtschenko. Auf den Moskauer Flughäfen verzögerten sich Dutzende Flüge wegen der schlechten Sicht von unter 300 Metern. Einige Maschinen wurden umgeleitet.

Russland will seine Kräfte im Kampf gegen die Feuerwalze noch einmal verstärken. Bis Montag will Regierungschef Wladimir Putin einen Plan für eine bessere technische Ausstattung der Feuerwehren und einen intensiveren Brandschutz vorlegen. Die Zeitung «Moskowski Komsomolez» schätzte den Gesamtschaden bisher auf Grundlage von Expertenangaben auf umgerechnet 25 Milliarden Euro.

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Brände / Wetter / Russland
06.08.2010 · 21:03 Uhr
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