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Festnahmen von Hamas-Mitgliedern nach Anschlag

Anschlag auf IsraelisGroßansicht

Jerusalem (dpa) - Nach dem tödlichen Anschlag auf vier israelische Siedler ist die Palästinenserpolizei im Westjordanland massiv gegen Mitglieder der radikal-islamischen Hamas vorgegangen.

Die Sicherheitskräfte des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas nahmen in der Nacht zum Mittwoch etwa 150 Aktivisten und Anhänger der Organisation fest, wie die Hamas mitteilte. Als Reaktion auf den Anschlag erklärte der israelische Siedlerrat den befristeten Baustopp im Westjordanland am Mittwoch für beendet. Schon am Abend wolle man in allen Siedlungen des Westjordanlands die Bauaktivitäten wieder aufnehmen. Die Palästinenser hatten angekündigt, sie wollten in einem solchen Fall die Verhandlungen mit Israel abbrechen.

Der militärische Flügel der im Gazastreifen herrschenden Hamas hatte sich zu dem Anschlag bei Hebron im südlichen Westjordanland bekannt und weitere Gewalt angekündigt. Die Angreifer hatten am Dienstagabend auf einer Straße in der Nähe von Hebron das Feuer auf ein israelisches Fahrzeug eröffnet. Dabei kamen zwei Männer und zwei Frauen aus der Siedlung Beit Chagai ums Leben. Sanitäter berichteten, sie seien aus nächster Nähe erschossen worden. Das Ehepaar Izchak und Tali Imas hinterlässt sechs Kinder im Alter von fünf bis 24 Jahren. In Hebron kam es am Mittwoch zu Ausschreitungen wütender Siedler, die Palästinenser mit Steinen bewarfen.

Die US-Regierung hatte Israelis und Palästinenser aufgefordert, auch nach dem Anschlag an den Friedensverhandlungen festzuhalten. Präsident Barack Obama nannte die Gespräche in Washington einen «neuen Anstoß» für einen Frieden in der Region. Der israelische Staatspräsident Schimon Peres sagte am Mittwoch: «Die Terroristen werden nicht siegen. Mit gemeinsamen Kräften werden wir sie übermannen.» Man müsse weiter mit jenen Palästinensern verhandeln, die nach Frieden streben, sagte er mit Blick auf die geplanten Nahost-Verhandlungen in Washington, die an diesem Donnerstag offiziell beginnen sollen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die Bluttat am Mittwoch aufs Schärfste. «Einziges Ziel dieses Anschlags ist es, den geplanten Beginn direkter Verhandlungen zu blockieren», sagte Westerwelle nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin. «Ich hoffe, dass alle Seiten die Kraft zu einer besonnenen Reaktion finden und sich nicht vom Weg der Verhandlungen und des Friedens abbringen lassen.»

«Mit diesem nicht hinnehmbaren Angriff haben die Feinde des Friedens versucht, die Nahost-Friedensverhandlungen zu torpedieren», hieß es in einer Mitteilung der Außenbeauftragten der Europäischen Union, Catherine Ashton, in Brüssel. «Aber wir sind entschlossen, den Feinden des Friedens nicht das Feld zu überlassen.»

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hatte in der Nacht umgehend eine harte Reaktion auf den neuen Anschlag angekündigt. «Israel wird es den Terroristen nicht erlauben, ihr Haupt zu erheben und den Mördern und ihren Drahtziehern einen Preis abverlangen», sagte er.

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad verurteilte den Anschlag ebenfalls aufs Schärfste. Diese Aktion stehe im Widerspruch zu den Interessen der Palästinenser und unterminiere alle Bemühungen um internationale Unterstützung. Zugleich versprach Fajad, dass seine Regierung alles versuchen werde, um weitere Zwischenfälle zu verhindern.

Konflikte / Nahost
01.09.2010 · 23:00 Uhr
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