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Festgenommene schweigen zu Polizistenmord

Ein Polizeifahrzeug, in dem sich ein Verdächtiger befindet, fährt in das Justizzentrum in Augsburg. Foto: Karl-Josef HildenbrandGroßansicht

Augsburg (dpa) - Die Ermittler verkünden im Augsburger Polizistenmord den entscheidenden Fahndungserfolg, doch die beiden Verhafteten schweigen bislang.

Die Beamten sprachen am Freitag allerdings von zahlreichen Indizien und einer DNA-Übereinstimmung, die den dringenden Tatverdacht gegen die beiden 56 und 58 Jahre alten Brüder untermauerten. Der hauptverdächtige jüngere Bruder sei zudem wegen eines Polizistenmordes aus dem Jahr 1975 zu lebenslanger Haft verurteilt und nach 19 Jahren entlassen worden. Sein älterer Bruder hinterließ am Tatort nach Ermittlerangaben den genetischen Fingerabdruck.

Die Staatsanwaltschaft vermutet eine Verdeckungstat. «Fakt ist, die Täter waren bis an die Zähne bewaffnet», sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz. Vermutlich hätten die beiden einen Raubüberfall geplant und fürchteten, dass die Polizisten dies aufdecken würden. Nach Ansicht der Ermittler hätten beide Männer Schüsse abgegeben, sagte Nemetz. Er gehe davon aus, dass sie mindestens drei Waffen bei sich hatten, darunter ein Schnellfeuergewehr. Nach der Verhaftung der Männer hatte die Polizei bei ihnen mehr als 20 Waffen sichergestellt.

Zwei Monate nach der Tat waren die Brüder am Donnerstag festgenommen worden. Sie sollen am 28. Oktober nach einer Verfolgungsjagd den 41 Jahre alten Polizisten Mathias Vieth erschossen und dessen Kollegin verletzt haben. Sie ist bis heute dienstunfähig.

«Wir sind jetzt am Anfang», sagte Klaus Bayerl, Leiter der Sonderkommission «Spickel», mit Blick auf die Beweisführung. Bisher hätten alle Beteiligten sehr konspirativ ermittelt. Die Ausgangslage sei schwierig gewesen, da von den Tätern ein gestohlenes Motorrad mit einem gestohlenen Kennzeichen benutzt worden war. Gegen den verurteilten Polizistenmörder bestand zwar von Beginn an ein Verdacht, doch die Ermittlung war schwierig: «Er hat 20 Jahre Erfahrung», gab Bayerl zu bedenken.

Die ausgelobte Belohnung von 100 000 Euro wird laut Staatsanwaltschaft nicht ausbezahlt. Trotz 700 Hinweisen sei die Ermittlung der Tatverdächtigen auf die Polizeiarbeit zurückzuführen. Ausschlag gaben zuletzt Beobachtungen zweier Polizisten zu dem Auto eines Münchner Geschäftsmannes nahe dem Tatort. Dieser sei zwar selbst nicht am Tatort gewesen und unverdächtig, er habe aber seit Jahren Kontakt zu einem der Männer und habe ihm häufig sein Auto geliehen. Der Tatverdacht gegen die Brüder verdichtete sich den Angaben zufolge auch durch ihr Verhalten, die Vermögensverhältnisse und schließlich durch den DNA-Treffer. Dieser beziehe sich auf den 58-jährigen älteren Bruder.

Sollte sich der Tatverdacht gegen den 56-Jährigen bereits verurteilten Polizistenmörder erhärten, dürfe er nie wieder auf freien Fuß kommen, forderten übereinstimmend Justizministerin Beate Merk und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU).

Ministerin Merk sprach trotz der Indizien von der noch bestehenden Unschuldsvermutung. Sie gratulierte am Freitag in Augsburg den Ermittlern zur «Aufklärung eines feigen und brutalen Verbrechens». Merk äußerte sich wie Herrmann überzeugt, dass die Ermittler die Täter letztlich überführen und anklagen können. Der Innenminister lobte die Ermittlungsarbeit. Vor neun Wochen geschah der «grausame Mord an Mathias Vieth» - er freue sich, dass die Tat nun vor der Aufklärung stehe und bedankte sich bei der Bevölkerung für Hinweise, Anteilnahme und Solidarität für die Polizisten und Angehörigen.

Kriminalität / Polizistenmord
30.12.2011 · 18:46 Uhr
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