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Fest der Freiheit - Eine bunte Mauer fällt

Fall der symbolischen MauerGroßansicht
Berlin (dpa) - Die Berliner Mauer fiel ein zweites Mal. Als am Montagabend am Brandenburger Tor 1000 bemalte übermannsgroße Elemente aus Kunststoff symbolisch kippten, applaudierten und jubelten zehntausende Menschen.

Deutschland feierte den Mauerfall vor 20 Jahren mit einem Fest der Freiheit und der Freude, bunten Regenschirmen und guter Laune. Und die Welt feierte mit. Alle Staats- und Regierungschef der Europäischen Union sowie Russlands Präsident Dmitri Medwedew und US-Außenministerin Hillary Clinton waren dabei.

Die anderthalb Kilometer lange, beleuchtete Kette der Mauersteine erinnerte zwischen Reichstag und Potsdamer Platz an mehr als 28 Jahre Teilung. Schüler, Vereine und Künstler aus vielen Ländern hatten auf den Steinen ihre Sicht auf den Mauerfall verewigt. Den ersten Domino- Stein stieß der Mitbegründer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc und frühere Staatspräsident Lech Walesa an. «Es begann in Polen», stand auf dem Segment.

Es war auch ein Tag der Emotionen und Erinnerungen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Brandenburger Tor, der 9. November 1989 sei ein Tag der Freude für immer. «Das Tor zur Freiheit öffnete sich.» Das sei eine «wahrhaft glückliche Stunde der europäischen Geschichte» gewesen.

Die DDR-Bürgerrechtlerin Marianne Birthler mischte nachdenkliche Töne in die Feierstimmung und erinnerte an eine «Zeit, in der Menschen gedemütigt und überwacht wurden.» Und dem einstigen Oppositionellen Roland Jahn versagte fast die Stimme, als er von seiner Haft in der DDR berichtete. Doch dann brachte er das Gefühl vieler auf den Punkt: «Wir wollen Party machen». Ein mächtiges Feuerwerk stieg über dem Brandenburger Tor zum Abschluss der Feier in den Himmel.

Zuvor war Merkel mit den Staatsgästen durch das einst von DDR-Grenzsoldaten schwer bewachte Tor geschritten. Als die Staatskapelle Berlin als Überraschung «Das ist die Berliner Luft» intonierte und Startenor Placido Domingo das Paul-Lincke-Lied sang, klatschte auch die Kanzlerin neben ihrem Mann Joachim Sauer gut gelaunt mit.

Dort, wo Merkel den Mauerfall selbst erlebte, hatte sie sich am Nachmittag erneut auf den Weg Richtung Westen gemacht und zusammen mit rund 100 früheren DDR-Oppositionellen wie Wolf Biermann, Stephan Krawczyk und Joachim Gauck die Bornholmer Brücke überquert. An dem Grenzpunkt waren in der historischen Nacht des 9. November 1989 zuerst die Schranken hochgegangen.  

Immer wieder erklangen «Gorbi»-Rufe für den früheren Sowjet- Staatschef Michail Gorbatschow, der an der Seite Merkels die Brücke überquerte. Walesa war in dem Gedränge fast nicht zu sehen. Viele Besucher hatten ihre alten DDR-Ausweise mitgebracht und zeigten stolz die Stempel von ihrem ersten Ausflug in den Westen.

Mit dem symbolischen Spaziergang erwies Merkel den Menschen ihre Reverenz, die die Veränderungen in Deutschland und Europa mit auf den Weg brachten. Locker erzählte sie auch, dass sie es von ihrer Wohnung damals nicht weit hatte bis zu der Brücke. «Die Schönhauser Allee 104 war ja gleich um die Ecke.»

Die dichte Menschenmenge erinnerte ein wenig an die Nacht vor 20 Jahren. Die Wachhäuser des damals gut ausgebauten Grenzkontrollpunkts an der geschwungenen Stahlbrücke zwischen den Stadtteilen Prenzlauer Berg und Wedding sind heute verschwunden. An der Bornholmer Straße hatten DDR-Bürger in fröhlicher Anarchie die Öffnung erzwungen. Die Grenzer waren ratlos und ohne Befehl von oben. Es herrschte Chaos in der DDR-Führung, nachdem SED-Politbüromitglied Günter Schabowski im Alleingang Stunden zu früh die Öffnung der Grenzen verkündet hatte.

An der Bornholmer Straße entschieden die Grenzsoldaten gut eine halbe Stunde vor Mitternacht: «Wir fluten jetzt». Die Schranken wurden hoch und zur Seite geschoben, die glücklichen «Ossis» stolperten in den so lange unerreichbaren Westen. Noch heute empfinden es viele Menschen als ein Wunder, dass kein einziger Schuss fiel.

Geschichte / Mauerfall / Deutschland
09.11.2009 · 21:56 Uhr
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