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Ferngesteuerte US-Drohnen bombardieren Gaddafis Truppen

US-KampfdrohneGroßansicht

Washington/Bengasi (dpa) - Mit dem ersten Angriff einer US-Kampfdrohne hat Washington am Wochenende sein militärisches Engagement in Libyen wieder verstärkt. Ein Pentagonsprecher bestätigte den Angriff am Samstag (Ortszeit), nannte aber keine weiteren Einzelheiten.

Nach Angaben aus libyschen Regierungskreisen wurden seit Samstagmorgen Ziele in der Stadt Sirte und in der Hauptstadt Tripolis bombardiert. In Sirte seien fünf Menschen getötet worden, sagte ein Militärsprecher. In Tripolis habe man vier «Märtyrer des Nato-Angriffs» beigesetzt. Aus Misurata kamen Erfolgsmeldungen der Rebellen: Es befänden sich keine Kämpfer der Gaddafi-Truppen mehr in der Stadt, meldeten die Aufständischen.

Am Wochenende ging die Schlacht um die westliche Stadt Misurata dennoch weiter. Am Samstag hatte es zunächst geheißen, die Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi hätten den Befehl erhalten, sich aus Misurata zurückzuziehen. Ein Kämpfer der Rebellen in der Stadt sagte einem der neuen libyschen Fernsehsender, ein verletzter Soldat, der ihnen in die Hände gefallen sei, habe erklärt, die Truppen hätten tatsächlich den Befehl zu Abzug bekommen. Dies allerdings nur, um bei einem geplanten Raketenbeschuss keine Opfer in den eigenen Reihen zu riskieren. Am Sonntag seien mehrere Grad-Raketen auf Misurata abgeschossen worden.

Kampfjets der internationalen Truppen konzentrierten ihre Angriffe auf Misurata. Unter anderem seien am Samstag sieben Raketenwerfer in der Umgebung der Stadt zerstört worden. Das teilte die Nato am Sonntag in Brüssel mit.

Misurata liegt 210 Kilometer östlich von Tripolis und ist derzeit nur auf dem Seeweg zu erreichen. Die Versorgungslage in der drittgrößten libyschen Stadt ist sehr schlecht. Tausende afrikanische Gastarbeiter, Dutzende verletzte Kämpfer und Zivilisten wurden per Schiff in Sicherheit gebracht.

Die Aufständischen in Bengasi hatten in den vergangenen Wochen mit Fischerbooten immer wieder Waffen und Kämpfer nach Misurata gebracht. Einer der Unterstützer des Aufstandes in Bengasi sagte, vor einigen Tagen hatten ihnen die Rebellen in Misurata erklärt, sie bräuchten keine zusätzlichen Freiwilligen mehr, sondern nur noch Waffen und Munition.

US-Präsident Barack Obama hatte am vergangenen Donnerstag grünes Licht für den Einsatz der ferngesteuerten unbemannten Flugzeuge des Typs «Predator» gegen Gaddafis Truppen gegeben. Damit wollen die USA nach Regierungsangaben zum Schutz der Zivilbevölkerung beitragen. Der Nationale Übergangsrat der Aufständischen, der seinen Sitz in der östlichen Stadt Bengasi hat, wünscht sich allerdings noch mehr militärische Hilfe von den USA, unter anderem den Einsatz der auf die Bekämpfung von Bodenzielen spezialisierten A-10-Bomber. Die USA hatten vor einem Monat das Kommando über den Militäreinsatz an die Nato abgegeben und sich seither auf eine unterstützende Rolle beschränkt.

Frankreich, Großbritannien und Italien entsandten Militärspezialisten zu den Rebellen nach Libyen, Italien zehn und Frankreich und Großbritannien jeweils unter 20. Nach Informationen der französischen Nachrichten-Website nouvelobs.com aus dem Pariser Präsidentenpalast sollen die französischen Offiziere die Verbindung der Rebellen in Bengasi und Misurata zur Nato-Befehlsleitstelle in Neapel sichern. Sie sollten der Nato schnell Bombardierungsziele nennen und die Erfolge der Angriffe auswerten, heißt es. Frankreich habe diese Offiziere aber nicht der Nato unterstellt.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) bekräftigte die Weigerung Deutschlands, sich an dem Kampfeinsatz zu beteiligen. «Die Entwicklung in Libyen zeigt, dass es richtig war, sich an den Luftangriffen nicht zu beteiligen», sagte Niebel dem «Hamburger Abendblatt» (Dienstag). «Deutschland sollte humanitäre Hilfe leisten, sobald das möglich wird. Außerdem sollten wir darauf hinwirken, dass der Einsatz im Rahmen der UN-Resolution 1973 bleibt - und nicht doch noch Bodentruppen entsandt werden. Die internationale Gemeinschaft muss sich verstärkt Gedanken machen über eine politische Lösung in Libyen.»

Konflikte / Libyen
24.04.2011 · 22:22 Uhr
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