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Feature: Wenn der Kölner Dom gesperrt ist

Auf einen Hinweisschild im Hauptbahnhof in Köln steht Zugverkehr eingestellt.Großansicht
Köln (dpa) - Wenn der Kölner Dom abgesperrt wird, dann weiß man in Nordrhein-Westfalen, dass es stürmt. Richtig stürmt. Bei ein paar Böen geschieht nämlich nichts. Das halten die Strebebögen und Pfeiler, die Heiligen und Dämonen allemal aus.

Aber an einem Tag so wie Sonntag, da steigt jemand wie Hüttenmeister Uwe Schäfer oder Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner auf den Nordturm, schaut in die Schluchten und Spalten, mustert Zinnen und Zacken und erteilt den Rat, die Domplatte doch besser abzusperren.

So ergab sich am Sonntagabend ein Bild mit Seltenheitswert: Die Domplatte mit rotweißem Band eingezäunt, dahinter Wagen und finster dreinschauendes Wachpersonal. «Ist schon was runtergekommen?» - «Fragen Sie das Ordnungsamt, ich gebe keine Auskünfte!» Alles streng geheim hier.

Zu Füßen des Doms eine Menschentraube: Leute, die ihren Zug verpasst haben. «Aufgrund des Unwetters ist der Zugverkehr vorübergehend eingestellt», steht auf der großen Anzeigetafel in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs. NRW im Ausnahmezustand. Die Polizei rät: «Nicht auf die Straße gehen.» Das klingt wie im Hollywood-Katastrophenfilm.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland löst ein Sturm vielleicht noch mehr Verwunderung aus als sonstwo in Deutschland. In anderen Ländern drohen Erdbeben, Buschbrände, Vulkanausbrüche oder Sturmfluten, in NRW nicht. In der verstädterten Region an Rhein und Ruhr können sich die wenigsten vorstellen, dass einem die Natur heute noch dazwischenfunken kann. So ist es vielleicht zu erklären, dass eine Frau während des Sturms im Wald joggte. Sie war das erste Todesopfer, das NRW an diesem Tag zu beklagen hatte. Eine Frau aus dem Münsterland kam um, als ein Baum auf ihr Auto stürzte.

In ländlichen Gebieten hat man ein besseres Gespür für die Gefahr. Von dort kamen am Sonntag auch die ersten Warnungen, dass man besser zu Hause bleiben solle. Hauptbrandmeister Detlef Rutsch von der Feuerwehr Iserlohn prägte schon am Nachmittag den Begriff «Kyrill II». Die Essener Feuerwehr verbreitete die Bestandsaufnahme: «Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, droht umzustürzen, ist bereits umgestürzt oder fliegt durch die Gegend.» Ein Polizeisprecher aus Duisburg sagte: «Auf den Autobahnen sieht es grausam aus.» Im Ernstfall können sich also auch Beamte klar ausdrücken.

Bis zum Abend hatte sich auch in den großen Städten von NRW die Erkenntnis durchgesetzt, dass man dieses Wochenende wohl besser ganz beschaulich zu Hause ausklingen lassen konnte. Der Verkehr auf den Straßen war deutlich ruhiger als sonst. Zu den sichersten Orten bei Sturm gehören übrigens die Türme des Kölner Doms. So weit oben kann einem nämlich nichts mehr auf den Kopf fallen.

Wetter / Unwetter
28.02.2010 · 21:51 Uhr
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