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Feature: Lichtermeer für Absturzopfer

Religiöse TrauerfeierGroßansicht
Paris (dpa) - Vor dem Altar der Pariser Kathedrale breitete sich ein Lichtermeer aus. 228 Kerzen brannten dort während der Trauerfeier für die Opfer der schlimmsten Flugzeugkatastrophe Frankreichs am Mittwochnachmittag.

«Wir beten für die Ehepartner, Eltern und Kinder, die ihre Liebsten verloren haben», sagte der französische Kardinal André Vingt-Trois. «Und auch für das Personal der Fluggesellschaft Air France, das weiter fliegen wird», fügte er hinzu. An der Gedenkfeier nahmen auch Präsident Nicolas Sarkozy mit seiner Frau Carla sowie mehrere Regierungsmitglieder teil.

Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, in den Gängen standen die Menschen eng beieinander. Angehörige der Opfer, Flugbegleiter, Piloten und Bodenpersonal von Air France trauerten gemeinsam. Kameras waren aus Rücksicht auf die Trauernden nicht zugelassen. Auf dem Kirchplatz drängten sich Tausende von Parisern und Touristen, die die Gedenkfeier per Lautsprecher verfolgten.

«Ihre Liebsten werden in Ihren Herzen und in Ihrer Erinnerung weiterleben», sagte der Kardinal an die Angehörigen gewandt. Er sprach ihnen die Anteilnahme von Papst Benedikt XVI. aus. An der Gebetsfeier nahmen auch Vertreter der muslimischen, jüdischen, orthodoxen und protestantischen Gemeinden teil.

«Wir hoffen alle gemeinsam, auch wenn jeder seine eigene Hoffnung hat», sagte der Rabbiner Haim Korsia. «Wir müssen das Leben wählen. Wir müssen für sie lieben, weil sie nicht mehr lieben können», sagte er. Der muslimische Geistliche Mohammed Moussaoui bat in seinem Gebet, «dass die Herzen der Angehörigen wieder Frieden finden». Es war ein ungewöhnlicher Moment, als der Imam im Altarraum der Kathedrale mit belegter Stimme sein Gebet auf Arabisch zu singen begann.

In der Kirche herrschte eine Atmosphäre der Trauer und Sammlung. Stewardessen, die im Beruf äußerste Selbstbeherrschung gewöhnt sind, liefen Tränen die Wangen hinunter. Manche hielten sich gegenseitig im Arm. Am Ende der Gedenkfeier lud der Kardinal die Angehörigen ein, die Kerzen mit nach Hause zu nehmen. Zu den Klängen von «Libera me Domine» des Verdi-Requiems stiegen sie nach und nach die Altarstufen hinauf.

Als die Orgel verstummte und die Kirche sich allmählich leerte, stand ein etwa zwölf Jahre alter Junge in Jeans und kariertem Hemd mit seiner Großmutter verloren vor dem Altar. Er trug eine der Kerzen in der Hand und konnte seine Tränen nur mühsam unterdrücken.

Luftverkehr / Unfälle / Frankreich
03.06.2009 · 19:41 Uhr
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