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Fast fünf Jahre Haft für Chef von Frauenhilfeverein

Der Vorsitzende des Frauennothilfevereins Hatun & Can muss wegen Betrugs für vier Jahre und zehn Monate in Haft.Großansicht

Berlin (dpa) - Betrug mit einer Spende von Alice Schwarzer muss der Chef eines Berliner Frauennothilfevereins mit fast fünf Jahren Gefängnis büßen. Das Berliner Landgericht verurteilte den 42-Jährigen am Mittwoch, weil er 500 000 Euro unterschlagen hatte. Die Frauenrechtlerin Schwarzer hatte das Geld bei einer Promi-Ausgabe von Günther Jauchs Quiz «Wer wird Millionär» gewonnen.

Die Richter verurteilten den Vorsitzenden des Vereins Hatun & Can zu vier Jahren und zehn Monaten Haft. Sie stellten insgesamt sogar einen Schaden von 700 000 Euro fest. Für Frauen in Not seien nur wenige tausend Euro geflossen. 360 000 Euro und ein 60 000 Euro teures Auto konnten aber sichergestellt werden.

Es war von vorneherein das Ziel des Angeklagten, die Spenden für sich zu verbrauchen, stellte Richter Henning Schwengers fest. Zu diesem Zweck sei der Verein gegründet worden. «Alles war eine große Luftnummer», argumentierte Richter Schwengers.

Nach dem sogenannten Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü hatte der Berliner die Hilfsbereitschaft ausgenutzt, sagte der Richter. Einer ihrer Brüder hatte die junge Frau erschossen - nun sollten Frauen mehr Schutz erfahren.

Der Vereinschef habe die große Werbetrommel für seine angeblichen Rettungsaktionen gerührt. Tatsächlich habe er keine Frauen in Nacht- und Nebelaktionen aus großer Gefahr gerettet. Manche Frauen seien selbst mit dem Zug angereist. Zweieinhalb Reisen nach Westdeutschland rechneten die Richter als Hilfsfahrten an. «Für drei Jahre etwas wenig», kommentierte Schwengers die Aktivitäten.

Was aus den Spenden geworden ist, blieb ein Rätsel. «Wir wissen nicht, ob es vergraben wurde, in einem Schließfach versteckt ist oder verspielt wurde», stellten die Richter fest. Der Angeklagte habe gut gelebt und seine Freundin unterstützt. Mit der Prostituierten habe er sich eine Reise nach Madrid gegönnt. Einige hundert Euro seien für Taxifahrten drauf gegangen.

Als Alice Schwarzer nachbohrte, «brannte die Hütte», sagte Schwengers. Die Buchführung musste angepasst werden. Das ganze Rechenwerk stimmte nicht, der Angeklagte drehte alles, wie er es brauchte. In Kneipen sammelte er Rechnungen, die in die Buchführung einflossen. Die Miete für eine Schutzwohnung habe nicht der Verein beglichen, sondern das Arbeitsamt.

Alice Schwarzer fand die Idee einer Unterstützung für entrechtete Frauen zunächst toll. Sie habe es «rührend» gefunden, dass ein Freund des Mordopfers den Verein aufbaute, hatte sie im April als Zeugin ausgesagt. Erst später seien ihr Zweifel gekommen, berichtete Schwarzer tief enttäuscht.

Prozesse / Kriminalität / Urteile
21.09.2011 · 18:41 Uhr
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